Sie haben Ihren Adblocker auf unserer Seite aktiviert. Bitte deaktivieren Sie diesen für SZ.de! mehr zum Thema

bedeckt München 14°
Anzeige
Anzeige

aus Heft 43/2017 Ein Interview ohne Worte

Sagen Sie jetzt nichts, Dieter Reiter

Fotos: Frank Bauer

Der Münchner Oberbürgermeister im Interview ohne Worte über seine Band Next Generation, die Münchner Mietpreise und seine Reaktion, als ihn die Tagesschau »Detlef« statt »Dieter« nannte.  



Anzeige
Geboren
19. Mai 1958 in Rain am Lech
Beruf Politiker, Münchner Oberbürgermeister
Ausbildung Studium an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung und Rechtspflege
Status Prinz Dieter

Zwanzig Jahre lang regierte in München der Schwabing-Schöngeist Christian Ude. Er sprach blitzgescheit, trat als Kabarettist auf und hängte sich Kunst ins Amtszimmer. 2014 trat Ude ab und machte Platz für Dieter Reiter. Die Augsburger Allgemeine fragte: »Dieter wer?« Reiter hätte versuchen können, Ude nachzueifern. Sonnenkönig werden. Reiter blieb Reiter. Hängte die Kunst ab und Münchner Panoramen auf. Sohn eines Beamten, der als Stadtkämmerer dann selbst einer wurde. Ein Mann, der sein Werk still verrichtet. Doch ein echter Politiker, das musste Reiter lernen, steht auch auf der Bühne, nicht nur im Maschinenraum. Als er erstmals das Oktoberfestfass anstechen sollte (Ude hatte zuletzt zwei Schläge benötigt), hämmerte Reiter dreimal, fluchte »Scheiß drauf« ins Zelt, schlug wieder zu. Treffer. »Das war peinlich«, sagte er später und meinte den Fluch. Anderes gelang. Er lud Bürger zur Sprechstunde, quartierte Flüchtlinge aus der überfüllten Erstunterkunft in der Bayernkaserne um (obwohl Seehofer zuständig war), marschierte mit 20 000 Münchnern gegen Pegida. In diesem Sommer, zur Hälfte seiner Amtszeit, erklärte er sein Motto: »Offen sagen, was man tun will, aber auch schnell tun, was man gesagt hat.« Ein echter Politikersatz.

Anzeige