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Vorgeknöpft: die Modekolumne 01. Dezember 2017

Zwölf neue Sterne am Modehimmel

Von Maria Hunstig  Foto: Screenshot Teespring

Trendfarbe Euro-Blau: Schals, T-Shirts und Weihnachtspullover mit EU-Symbolik sind gerade schwer angesagt. Unsere Autorin hat sogar eine noch weitergehende Idee.

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Der Union Jack ist seit den Neunzigerjahren ein alter Bekannter in der Mode: Von David Bowies »Union Jacket« von Alexander McQueen; über Ex-Spice-Girl Geri Halliwell, deren legendäres »Union Jack Dress« heute einen Wikipedia-Eintrag hat; bis zu Taylor Swift im Fahnenoutfit bei der Victoria's-Secret-Schau 2013 – über die Jahre haben sich immer wieder Popstars in die Flagge des Vereinigten Königreichs gehüllt.

2017 gibt es einen neuen »Star« im textilen Flaggezeigen: die EU, besser ihre Fahne mit zwölf im Kreis angeordneten Sternen. Das Trendlabel Vetements verkauft derzeit einen übergroßen Kapuzenpulli in Europablau mit gesticktem Eurozeichen auf der Brust und zwölf gelben Sternen auf dem Rücken; König Souvenir, so etwas wie der digitale Museumsshop der hippen Berliner Galerie König, sorgt mit seinem »EUnify«-Hoodie derzeit für Aufsehen in den sozialen Medien. Und das Pariser Label Études Studios zeigte bereits für die Herbst/Winter-Saison 2013 ein kobaltblaues Sweatshirt mit zwölf aufgestickten Sternen, das gerade wieder neu aufgelegt wurde. Dazu kommen Initiativen wie das Berliner Projekt Europescarf, das europäische Fanschals verkauft, oder die amerikanische Plattform Teespring, zu deren Bestsellern derzeit der »All I want for Christmas is EU«-Sweater gehört – mit Euro-Print im weihnachtlichen Strick-Design.
Textiles Bekennerschreiben: Der EUnify-Hoodie der Berliner Galerie König. Foto: Søren Drastrup

Die Eurokrise, fremdenfeindliche Übergriffe, der Aufstieg von Rechtpopulismus, der Brexit: In den letzten Jahren hat vieles am europäischen Zusammengehörigkeitsgefühl gekratzt, das man lange für selbstverständlich hielt. Mit ihren EU-Huldigungen möchten die Designer zur kritischen Auseinandersetztung mit dem europäischen Gedanken und zu mehr Einheit und Zusammenhalt aufrufen. Europescarf etwa spendet zehn Prozent der Gewinne an gemeinnützige pro-europäische Organisationen.

Als Erfinderin dieser Art von Statement-Shirt gilt übrigens die britische Modedesignerin Katherine Hamnet: Sie trug 1984 zum Empfang bei der damaligen Premierministerin Margaret Thatcher ein T-Shirt mit der Aufschrift »58% Don't Want Pershing«, kurz nachdem Thatcher die Stationierung amerikanischer Pershingraketen auf britischem Boden erlaubt hatte. Aufgerüttelt vom Brexit-Votum hat Hamnet nun beschlossen, ihr schlafendes Modelabel zu reaktivieren. Ihr neuster Coup: »Cancel Brexit«-T-Shirts, deren Erlöse für Anti-Brexit-Kampagnen eingesetzt werden sollen. Und wie sie dem britischen Fachmagazin Drapers erzählte, plant sie schon ihr nächstes Shirt-Design: »Second Referendum Now«.

Ob sich mit T-Shirts der Lauf der Geschichte umkehren lässt? Wohl kaum. Und natürlich muss man aufpassen, dass die zwölf Europa-Sterne kein hohles Mode-Gimmick werden. Aber für die, die weiter an Europa glauben, ist jetzt bestimmt die richtige Zeit, um ein visuelles Zeichen von Solidarität und Gemeinschaft zu setzen.

Bei Teespring lassen sich übrigens auch eigene Print-Designs einreichen. Wir hätten da einen Vorschlag für alle resteuropäischen Gabentische – es muss auch nur ein einzelner Buchstabe ausgetauscht werden: »All we want for Christmas is UK«.

Wird getragen mit: Italienischer Jeans, portugiesischen Schuhen und Strick aus der schwäbischen Alb
Wird getragen von: »Remain«-Wählern, Mr. Darcy in Bridget Jones
Nicht verwechseln mit: Paramount Pictures, Sterntaler

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Maria Hunstig

ist Redakteurin beim Modefachmagazin Sportswear International. Sie hat schon Leute in Würde eine Warnweste tragen sehen und ist deshalb überzeugt, dass Stil vor allem eine Frage der Haltung und des Kontexts ist. Diesem geht sie regelmäßig in dieser Kolumne auf den Grund.

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