Täter und Opfer

Ein Mann missbraucht seine Tochter sexuell. Er wird verurteilt – und die Familie versucht das Undenk­bare: ihm zu verzeihen. Hier erzählen Tochter, Mutter und Vater unter Pseudonym ihre Geschichte

Zunächst redete Bianca sich ein, dass ihr Vater nur schlafwandelte, wenn er in ihr Zimmer kam.

März 2012: Die Stunde Null

Steffi (35): Der Anruf kam zwei Tage vor den Osterferien. Ich kam gerade vom Arzt, da klingelte das Telefon. Wir möchten Sie bitten, in die Schule zu kommen, Ihre Tochter Bianca sitzt hier, es geht um Missbrauch. In dem Moment war mir alles klar. Ich habe meinen Mann an­gerufen und gesagt, die Bianca wurde missbraucht, ich höre mir das jetzt an. Da hat er gestockt. Okay, tu das. Man ist wie ferngesteuert. Ich bin losgefahren, mit einer totalen Leere. Und diesem wahnsinnig schlechten Gewissen.

Bianca (18): Die Lehrer sagten, was können wir jetzt machen? Wir sind ja auch nur Lehrer. Und ich saß da mit meinen 13 Jahren auf meinem Stuhl mit meinem Glas Wasser und wusste nicht, wohin ich gucken soll. In meinem Kopf war nur: Oh mein Gott, was passiert jetzt? Wird es an die große Glocke gehängt? Fährt die Polizei gleich vor? Nimmt mich das Jugendamt mit?

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