»Alle Masken waren längst gefallen«

In unserer neuen Rubrik verraten Paare, was sie über die Liebe gelernt haben. Folge 1: Christl und Markus waren 15 Jahre lang beste Freunde. Als sie sich näherkamen, fanden sie das erst mal ziemlich komisch – und dann sehr, sehr schön.

Christl (37) und Markus (39) gingen als gute Freunde auf Urlaube und Hochzeiten – bis sie verganenes Jahr selbst heirateten. 

Foto: Xenia Trampusch

Markus
Viele unserer Freunde haben uns schon lange vor der Beziehung damit aufgezogen, wie wir gemeinsam in den Urlaub und auf Hochzeiten fahren können, ohne dass etwas zwischen uns passiert. Als wir ihnen dann erzählt haben, dass wir jetzt ein Paar sind, dachten sie, es wäre ein Scherz.

Christl und ich kennen uns schon seit Silvester 1999, gemeinsame Freunde haben uns da auf einer Party vorgestellt. Von da an waren wir 15 Jahre beste Freunde, bis daraus vor fünf Jahren eine

In meinem Kopf hat sich als Kind der Achtziger und Neunziger eingepflanzt, dass alles Hollywood sein muss: die perfekte Familie, alle glücklich und harmonisch. Meine größte Angst war immer, dass man sich in

Auf der anderen Seite habe ich aber auch gelernt zu reden – nämlich dann, wenn mir etwas auf dem Herzen liegt. Ich kann meine Gefühle, egal ob Wut oder Trauer, oft einfach nicht

Als wir gemeinsam auf Wohnungssuche waren, haben wir getrennt voneinander an Vermieter und Makler E-Mails verschickt. Ich bekam fast immer eine Antwort, Christl nicht. Das verrät viel über unser System: Ich bin weiß,

Christina und ich sind beide sehr freiheitsliebend. Für uns ist klar, dass wir nicht alles gemeinsam machen müssen. Während des Lockdowns in Österreich haben wir angefangen, jeweils alleine spazieren zu gehen. Kopfhörer auf, Maske ins Gesicht, Me Time.

Christl
Wir sind einen Monat nach dem Tod meines Vaters zusammengekommen. Markus war mein bester Freund und eine wahnsinnig große Stütze für mich. Er war einfach da, eine Stunde nachdem mein Vater für tot erklärt worden war und die ganze Zeit danach. Irgendwann hat er mich einfach geküsst. Es folgte ein Auf und Ab, weil ich nicht einschätzen konnte: Will ich das auch noch, wenn ich die schlimmste Trauerphase hinter mir habe?

Irgendwann habe ich gesagt: »Okay, wir probieren das einfach.« Ich bin froh, dass ich damals emotionaler war als sonst. Die sachliche Version von mir hätte die Beziehung wahrscheinlich aus Angst nie zugelassen.

Mit Markus Sex zu haben war am Anfang weird as fuck. Wir wussten ja alles über den anderen, kannten jede Ex-Freundin, jeden Ex-Freund – und plötzlich mussten wir uns voreinander nackt ausziehen. Wir wollten das natürlich, aber es war gleichzeitig seltsam. Wir hatten im ersten Monat sicher nie nüchtern Sex.

In

Wir

Wir

In den letzten Wochen und Monaten, seit die Black-Lives-Matter-Proteste wieder losgingen, hat sich Markus die ganze Zeit Sorgen um mich gemacht. Weil er dachte, das brennt mich total aus. Ich habe ihm dann immer wieder gesagt: »Ich kenne das alles, seit immer, und ich kann damit umgehen. Ich weiß, dass nicht alle Menschen die Proteste unterstützen, viele Leute Rassismus herunterspielen oder mich auf meine Hautfarbe reduzieren.« Für Markus war das sehr hart.

Wenn