SZ-Magazin: Wann haben Sie zuletzt eine Entscheidung getroffen, die Ihnen schwerfiel?
Heute morgen. Ich hatte eine Verabredung, aber die Leute, mit denen ich verabredet war, haben sich dann nicht mehr gemeldet. Ich wusste nicht: Soll ich mich jetzt nochmal melden oder einfach abwarten? Ich habe abgewartet, und dann kamen sie. Aber mich dafür zu entscheiden, nichts zu tun, ist für mich immer eine große Herausforderung.
Sie arbeiten seit Jahren zum Thema Entscheidungen. Was ist eine Ihrer wichtigsten Erkenntnisse?
Gerade in Zeiten, in denen Optimierung und Selbstoptimierung so einen Stellenwert haben, fühlen sich Menschen von Entscheidungen unglaublich gestresst. Viele haben das Gefühl, dass sie ständig Entscheidungen treffen, die für ihr ganzes Leben relevant sind. Das ist aber nicht so. Wirklich große, lebensverändernde Entscheidungen kommen sehr selten vor. Wie oft entscheiden wir denn, ob wir heiraten oder wen? Wie oft kaufen wir ein Haus? Wie oft ziehen wir um oder wandern aus? Wenn man sich bewusst macht, dass unsere Macht über unser Leben nicht in diesen großen Entscheidungen steckt, sondern in den kleinen, hilft das sehr.
