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aus Heft 19/2008 Sport 3 Kommentare

"Ich glaube nicht, dass ich den Zuschauern viel Spaß vermittelt habe"

Seite 9

Von Lars Reichardt und Alexandros Stefanidis  (Interview); Fotos: Niko Schmid-Burgk




2001 noch haben Sie gesagt, dass Sie nicht grundlos glücklich sein könnten. Funktioniert das heute?
Ich erlebe sehr viele Momente des Glücks, die nicht von irgendwelchen Fußball-Ereignissen abhängig sind. Etwa mit meinen Kindern oder wenn ich mit einem Kumpel beim Essen in einem netten Restaurant sitze und ein gutes Gespräch führe. Auch auf dem Golfplatz habe ich viele Glücksmomente. Der Fußball bestimmt nicht mehr meine Lebensqualität. Heute kann ich abends nach einer Niederlage weggehen und trotzdem Spaß haben.

Freuen Sie sich darauf, in Kürze niemanden mehr fragen zu müssen, wann Sie abends ausgehen oder ob Sie ein Bier mehr trinken dürfen?
Darauf freue ich mich sehr. Endlich werde ich mir meine Zeit selber einteilen können. Aber ich denke, dass ich auch weiterhin recht diszipliniert leben werde, und ich will sicher nicht körperlich völlig auseinandergehen. Seit meiner Ellenbogen-Operation Anfang Oktober habe ich ohnehin keinen Schluck Alkohol mehr getrunken. Eine Flasche Wein unter der Woche oder ein paar Bier samstags nach dem Spiel – tut mir leid –, das spürst du als Spieler. Als Trainer würde ich Alkohol jedenfalls strikt verbieten.

Haben Sie die Hoeneß-Nachfolge schon ad acta gelegt?
Ich habe mit Uli drüber gesprochen und er weiß, dass ich jetzt erst mal Distanz zu dem ganzen Geschäft brauche, um Kraft zu sammeln.

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Bitte fünf Dinge, die Sie sich oder anderen Menschen versprochen haben für die Zeit nach Ihrem Karriere-Ende.
Ich habe meinen Kindern versprochen, wirklich viel mit ihnen zu unternehmen. Zweitens möchte ich für mich selbst ein bisschen mehr Zeit haben. Ich will jetzt nicht auf den Jakobsweg, aber vielleicht einen kleinen Trip durch Finnland, mal ganz allein, das wäre gar nicht so schlecht. Als Drittes habe ich mir selbst versprochen, meinen Traum zu verwirklichen und mal mit dem Schiff alle hübschen Hafenörtchen im Mittelmeer anzu-fahren. Schließlich möchte ich mein Golf-Handicap auf unter fünf bringen. Und es könnte sein, dass ich wieder anfange zu studieren. Aber es müsste ein Studium sein, das ich in höchstens zwei bis drei Jahren bewältigen kann.

Dafür gibt es ja jetzt diese Bachelor-Studiengänge. Wieder Betriebswirtschaftslehre?
Genau weiß ich das noch nicht.

Empfinden Sie das mehr oder weniger hilflose Ausgesetztsein den Paparazzi gegenüber eigentlich als den größten Preis, den Sie für Ihre Karriere zahlen mussten?
Die Paparazzi sind Teil der Entertainment-Maschinerie. Anfangs fand ich sie irritierend, weil ich diesem Teil meines Jobs nicht sehr viel Aufmerksamkeit gewidmet habe. Mittlerweile weiß ich sehr genau, wie ich meine Privatsphäre schützen kann.

Welche Schlagzeile hat mehr wehgetan: »Kahn patzt gegen Real!« oder »Olli hat Krach mit Verena!«?
Berufliche Kritik konnte ich immer gut einstecken. Private Dinge gehen keinen etwas an, und so wird es auch in Zukunft bleiben.

Ob Sie nun wollen oder nicht: Für Ihr Privatleben wird man sich Ihr ganzes Leben lang interessieren. War es das alles wert?
Auf jeden Fall.



Oliver Kahn, 38, wurde 1969 in Karlsruhe geboren und begann 1975 als Feldspieler in der F-Jugend des Karlsruher SC. Ein Jahr später schenkte ihm sein Großvater eine »Sepp-Maier-Torwart-Kollektion«. Er streifte sie über und stellte sich fortan ins Tor. Er zerrte seinen Vater Rolf jeden Sonntagmorgen aus dem Bett, um mit ihm zu trainieren. Sein erstes Bundesligaspiel bestritt Kahn im November 1987 für den Karlsruher SC. Im Jahr 1994 wechselte Kahn als »Deutschlands Torhüter des Jahres« für 4,6 Millionen Mark zum FC Bayern München. Kahn stand 84 Mal im Tor der Nationalmannschaft, hat 556 Bundesligaspiele absolviert. Er wurde acht Mal Deutscher Meister und gewann sechs Mal den DFB-Pokal (Rekord). Im Finale 2001 sicherte er mit seinen Paraden im Elf-meterschießen den Bayern den ersten Champions-League-Titel seit 1976. Bei der WM 2002 wurde er zum besten Spieler des Turniers gewählt, eine Ehrung, die einem Torhüter bisher noch nie zuteil wurde. Er war zwischen 1999 und 2002 vier Mal in Folge Europas Torhüter des Jahres und 1999, 2001 und 2002 bester Torhüter der Welt. Jetzt tritt er ab.

Kommentare

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  • Paul-Martin Schüle (1) Einer der facettenreichsten und daher interessantesten Sportler unserer Zeit - und als Torwart fast so gut wie der Maier Sepp. Trotz aller Erfolge spürt man, wie manche Dinge in ihm nagen. Durch den von JK vom Zaun gebrochenen Torwartkrieg wurde er um DAS Highlight seiner Karriere gebracht. Vielleicht wäre alles ganz anders gekommen im Halbfinale gg. Italien, wenn er zwischen den Pfosten gestanden hätte, wer weiß? Jedenfalls hat Lehmann das "Bayern-Gen" nicht im Blut - und genau das hätte die Mannschaft in den entscheidenden 30 Minuten des Turniers (Verlängerung gg. ITA) gebraucht.
    Mit ihm tritt ein ganz Großer des deutschen Fussballs von der Bühne!
  • Turgut Findikgil (3) Ein Vorbild mit Ecken und Kanten. FC Bayern wird ohne ihn ärmer.
  • thomas mueller (1) Danke, Oli!