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aus Heft 12/2009 Gesellschaft/Leben

Die Krise und wir

Seite 6

Fotos: Konrad R. Müller


Sabine Werth (52, im Bild), Gründerin der Spendenorganisation Berliner Tafel: »Wir können uns an zehn Fingern abzählen, dass die neuen Arbeitslosen kommen werden. In spätestens einem halben Jahr sind sie da.«
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Nikolaus Rheinländer (46), Taxifahrer:
»Ich würde mir erhoffen, dass neues Solidaritätsdenken aufkommt. Zu viele Unternehmer scheißen doch auf alles und jeden und denken nur an sich.

Peter Quast (55), Fischverkäufer:
»Die Kunden werden sparsam. Statt Rotbarschfilet wird jetzt günstiger Seelachs gekauft.«

Dietmar Dath
(38), Schriftsteller:
»Mir macht die Krise Angst: Wenn man Ratten in einen Käfig sperrt und dann das Bodengitter mit Krisenspannung elektrisiert, fangen sie an, einander totzubeißen. Die Frau an der Supermarktkasse ist noch besoffener als sonst. Mit Recht. Und das größte Rätsel ist, warum es immer noch erwachsene Menschen gibt, die den Kommunismus ablehnen.«

Oliver Staabs
(40), IT-Vertriebsmanager:
»In meinem privaten Alltag bemerke ich die Krise bisher kaum. Habe den Eindruck, dass viele Freunde sich gerade jetzt etwas gönnen. Überall werden Häuser, Autos, Boote gekauft.«

Joachim Weckmann (55), Bäcker:
»Für mich ist diese Krise eine Charakterkrise. Und ich denke, dass sie in Bezug auf Finanzwirtschaft und Politik zu einem Reinigungsprozess führen wird.«

Andreas Zierhut (45, im Bild), Chef einer Bio-Textilreinigungsfirma:
»Bisher hat sich die Krise in meiner Firma noch nicht bemerkbar gemacht. Aber wenn immer mehr Kurzarbeit kommt, werden viele vielleicht wieder selber ihre Hemden bügeln. Was soll's ich habe sowieso schon sieben Jahre lang keinen Urlaub mehr gemacht.«

Dieter Hildebrandt (81), Kabarettist:
»In meinem Beruf merke ich fast nichts ­ die Menschen nehmen die Krise offenbar nicht ernst. Der Saal ist voll. Privat versuche ich, die Krise zu bemerken. Es gelingt mir nicht.

Gabriele Weishäupl (62), Münchner Fremdenverkehrschefin:
»Das Oktoberfest ist bereits wieder bestens gebucht, ein krisenfestes Unternehmen. Aber wir bemerken einen schleichenden Rückgang bei den Touristenströmen aus den USA.«

Dirk Müller (40), Kursmakler (»Mister Dax«):
»Das blinde Vertrauen auf mathematische Modelle hat hochintelligente Menschen daran gehindert, auf ihren gesunden Menschenverstand zu vertrauen. Wir handeln doch an der Börse immer nur mit Wahrscheinlichkeiten.«

Michael Biedermann (44), Architekt:
»Meine Frau und ich haben ein Haushaltskonto eröffnet. Jetzt wird nur noch die Hälfte von dem ausgegeben, was eingenommen wird. Bisher haben wir uns um Geld eher wenig Gedanken gemacht. Meine Frau und ich haben aber festgestellt, dass Sparen in dieser Form durchaus Spaß machen kann.«

Tamara Tischer (46, im Bild), Leiterin einer Friseurschule:
»Früher haben Frauen mehr Geld für Friseure ausgegeben. Jetzt entsteht zwischen den Friseuren ein kleiner Konkurrenzkampf. Das ist gut für mich, da sich viele Friseure weiterbilden möchten und meine Seminare besuchen. Das heißt für mich, dass es momentan eher bergauf geht.«



(Lesen Sie auf der nächsten Seite: Reiner Calmund,
Fußballexperte: »Meine Sorge ist, dass der eine oder andere Unternehmer schlechte Geschäfte nun ausschließlich pauschal auf die Krise schiebt, um sich einen Freifahrtschein zu besorgen.«)