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Vorgeknöpft: die Modekolumne 15. Februar 2017

Neue Beinfreiheit

Von Silke Wichert  Foto: Gettyimages / Mike Marsland, Samir Hussein, Nicholas Hunt

Wenn Frauen bei eleganten Auftritten eine Hose wählen, gilt das noch immer als »Statement«. Wie gut, dass es jetzt Drouser gibt, eine Mischung aus »dress« und »trouser«. Diesen Hybrid verdanken wir Trump und Chanel.

Sie haben die Hosen an: Meryl Streep und Emma Stone bei den British Academy Film Awards; Emma Watson beim White House Correspondent's Association Dinner im April 2016
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Wer bei den wirklich wichtigen Themen dieser Tage, also der bevorstehenden Oscarverleihung, mitreden möchte, merke sich jetzt bitte folgende Vokabel: Drouser. Nicht zu verwechseln mit Douser, der Wünschelrute, oder Grouser, dem Stänkerer, obwohl man dieses Wort aktuell sicher auch gut gebrauchen kann.

Drouser setzt sich zusammen aus »Dress« und »Trouser«, was nicht nur eine schmissige, sondern auch eine äußerst anschauliche Wortschöpfung ist. Es geht nämlich um genau das: eine Mischung aus Kleid und Hose, letzten Sonntag bei den Bafta-Awards mit großem Applaus vorgeführt von Emma Stone, ausgezeichnet als beste Hauptdarstellerin für La La Land. Ihr Drouser kam obendrein frisch vom Chanel Couture Laufsteg, wo der Entwurf erst vor gut drei Wochen gezeigt wurde, was für das Modevolk die Frage erledigt, ob man so einen Hybrid-Look wirklich tragen kann. It’s the Lagerfeld, stupid!

Aufgeweckte Red-Carpet-Follower werden jetzt eilig anmerken, dass sowohl Model Gigi Hadid wie auch Schauspielerin Emma Watson schon früher – Watson sogar immer wieder im Hosen-Kleid-Mix – gesehen wurden, diese Variante also mitnichten ganz neu im Showbusiness sei. Um mit einem passenden Zwitterwort zu antworten: Jein. Natürlich gab es diese Kombination schon, wie mittlerweile fast alles in der Mode, halb Asien trug früher quasi Kleid über Hose. Aber da hieß das Ganze noch lange nicht Drouser. Und ohne griffigen Namen, kein griffiger Trend. Hätte nicht irgendwer das Wort Jeggings erfunden, uns wäre vermutlich viel erspart geblieben.

Jedenfalls können jetzt eigentlich sämtliche Stylistinnen, die für ihre Schützlinge bereits eine pinkfarbene-/durchsichtige-/Cut-Out-Robe bestellt hatten, noch einmal von vorn anfangen. Ab jetzt ist der oder das Drouser der absolute Oscar-Favorit. Wer im Hybridmodell zur Verleihung am 26. Februar erscheint, landet unter Garantie auf sämtlichen Best-Dressed-Listen, egal wie sexy der Look am Ende aussehen mag. Beim Drouser geht es jetzt schließlich auch, wie eigentlich überall gerade, um die politische Komponente.

Seit Donald Trumps Äußerung über adäquate Kleidung von Frauen (die seiner Meinung nach ausschließlich aus femininen Röcken und Kleidern besteht) postet die weibliche Netzgemeinde unter #dresslikeawoman aus Protest gerade alles, was zwei Hosenbeine hat. Wer jetzt im Anzug zu den Oscars geht – alle Wetten stehen auf Meryl Streep –, zelebriert also quasi Hashtag-Dressing und reiht sich vorzüglich in die feministische Oscar-Tradition einer zwar halbnackten, aber eben im Anzug steckenden, Barbra Streisand Ende der Sechziger und Jane Fonda Anfang der Siebziger ein. Mit dem Unterschied, dass der Smoking für Frauen damals wirklich neu war.

Die deutlich frischere Wahl ist deshalb der hybridangetriebene Protestlook – moderner wie leiser – aus Kleid über Hose oder, in der Spoilervariante, Rock an Hose. Das intelligentere Statement ist es ohnehin.»Dress like a woman« heißt ja eben nicht mehr das eine oder das andere, sondern sowohl als auch.

Wird auch getragen von: OP-Schwestern, Kellnerinnen, Singapore-Airlines-Stewardessen
Typischer Instagram-Kommentar: Wer von den Männern wohl im Smogging-Anzug kommt?
Das sagt der Ökonom: Und was heißt das jetzt für den Rocksaum-Index?
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Silke Wichert

hat mehrere Jahre das Moderessort des SZ-Magazins geleitet. Manche Leute sagen deshalb gern vorweg, dass sie sich wirklich! überhaupt! nicht! für Mode interessieren. Um dann, nur mal so interessehalber, hinterher zu schieben: Was trägt man denn gerade so? Auch dafür schreibt sie jetzt diese Kolumne.

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