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Nackte Zahlen: Sexkolumne 16. Mai 2017

Harry Potter und die Schrecken des Online-Datings

Von Alena Schröder  Illustration: Sammy Slabbinck

Wer die richtigen Bücher liest, hat Vorteile auf dem Singlemarkt, wie eine aktuelle Studie zeigt. Unsere Autorin weiß jetzt, mit welchen Werken man sich interessant macht – und welche abstoßend wirken.

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Unter den Abermillionen Singles auf dieser Welt, die im Internet nach einem neuen Partner suchen, gibt es eine Gemeinsamkeit: Alle mögen Bücher. Lesen ist das Hobby, auf das sich vom Fußfetischisten bis zum Saphiosexuellen alle einigen können. Niemand würde im Fragenbogen seines Onlinedating-Profils unter »Das mag ich gar nicht« »Bücher« schreiben, selbst wenn das letzte Buch, das man gelesen hat, der Bofrost-Katalog war.

Doch aufgepasst, Bücherfreunde: Bei der Partnersuche ist nicht nur entscheidend, dass man liest, sondern auch, was man liest, wie das britische Datingportal eHarmony herausgefunden hat. Die Literaturangaben in den Datingprofilen der Nutzer haben einen direkten Einfluss auf die Zahl von Anfragen und Nachrichten, die sie bekommen. Männer, die behaupten, die Business-Bücher von Obamas Kitesurfing-Buddy und Virgin-Chef Richard Branson zu lesen, bekommen im Schnitt 74 Prozent mehr Nachrichten und Anfragen als andere. Auch Stieg Larssons Millenium-Trilogie um Lisbeth Salander bringen noch 36 Prozent mehr Nachrichten, Orwells 1984 immerhin noch ein Plus von 21 Prozent. Die Psychologie dahinter ist recht offensichtlich: Für Frauen sind diese Lesepräferenzen ein Signal, dass der potentielle Partner wirtschaftlich erfolgreich oder zumindest ehrgeizig ist, geduldig und tolerant genug, um sich mit den Abenteuern einer sexuell ambivalenten und mental instabilen Hackerin zu beschäftigen, und dass er sich mit den Gefahren der Totalüberwachung auseinandersetzt, also zumindest kein Stalker ist.

Allerdings gibt es auch Bücher, die die Attraktivität beim Online-dating deutlich vermindern: Bibel-Leser müssen mit 37 Prozent weniger Nachrichten rechnen, ganz finster allerdings sieht es für Harry-Potter-Fans aus. Männer, die die Harry-Potter-Bücher zu ihren Lieblingsbüchern zählen, bekommen im Schnitt 55 Prozent weniger Anfragen und Nachrichten. Weil - sorry, Potter-Fans - es sich bei diesen Büchern um Kinder-Bücher handelt, wenn auch um wirklich gute. Aber wer vorgibt, sich als erwachsener Mann für Literatur zu interessieren und dann Harry Potter und die Kammer des Schreckens als Referenz anführt, beweist damit nur, dass er es mit Literatur in Wahrheit doch nicht so hat.
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Frauen dagegen, die in ihren Dating-Profilen Harry Potter als Lieblingsbücher angaben, konnten mit einem Nachrichtenplus von 16 Prozent rechnen (männliche Potterfans auf der Suche nach einer Seelenverwandten). Am besten wirkte sich die Hunger Games-Saga auf die Nachrichtenmenge aus (ein Plus von 44 Prozent, weil Frauen, die mit Pfeil und Bogen umgehen können, offenbar als sexy gelten). Dagegen scheint ein offenes Bekenntnis zu 50 Shades of Grey eher abschreckend auf potentielle Interessenten zu wirken (minus 16 Prozent), um Längen übertroffen nur noch von der Bibel (minus 63 Prozent).

Eine vergleichbare Untersuchung für den deutschen Onlinedatingmarkt existiert bislang noch nicht, trotzdem lassen sich aus der britischen eHarmony-Studie Lehren auch für einsame, deutsche Bücherwürmer beiderlei Geschlechts ziehen. Folgende Mega-Besteller sollten sie in ihren Onlineprofilen keinesfalls erwähnen:

Darm mit Charme
von Giulia Enders
Ein phantastisches Buch über ein unterschätztes Organ. Allerdings sollten verdauungsrelevante Themen erst zu fortgeschrittenem Zeitpunkt einer Beziehungsanbahnung erwähnt werden, wenn überhaupt.

Mein Kampf (Eine kritische Edition)
von Adolf Hitler
Es mag Sie zwar als »historisch interessiert« ausweisen, sich die kritisch kommentierte und deshalb legal zu erwerbende Ausgabe von Führers Motivationsfibel zu Gemüte geführt zu haben, könnte jedoch Rückschlüsse auf eine morbide Faszination für schlechten Schreibstil zulassen und die weltanschauliche Diversität potentieller Interessenten stark einschränken.

Mix ohne Fix! Lieblingsgerichte aus dem Thermomix von Corinna Wild
Signalisiert potentiellen Partnern, dass Sie für jeden Hype anfällig sind und glauben, ein teures Spezialgerät wie den Thermomix sowie ein dazugehöriges Kochbuch zu brauchen, um einen Nudelauflauf zuzubereiten.

Auf der Suche nach der verlorenen Zeit
von Marcel Proust
Entlarvt Sie sofort als Lügner und Blender, denn es gibt wahrscheinlich nur knapp 100 Menschen auf dem Planeten, die sich wirklich freiwillig und mit Lust durch den siebenbändigen, mehr als 5000 Seiten umfassenden Romanzyklus gekämpft haben – und Sie gehören garantiert nicht dazu.

1000 ganz legale Steuertricks von Franz Konz
Lässt Sie verdächtig erscheinen, wenn Sie beim ersten Date die Rechnung einstecken, um das Ganze später als »Akquise-Gespräch« abzusetzen.
Alena Schröder

ist freie Autorin und lebt in Berlin. Sie gelobt, keine »arm, aber sexy«-Kalauer in dieser Kolumne unterzubringen, die sie im Wechsel mit Till Raether schreibt.

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