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Vorgeknöpft: die Modekolumne 17. August 2017

Reisen mit Swag

Von Silke Wichert  Screenshot: Instagram

Über den Wolken muss die Beinfreiheit wohl grenzenlos sein: Prominente kleiden sich im Flugzeug immer bequemer. Eine Stilkritik des Bayern-Profis Franck Ribéry.


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Es kann kein Zufall sein, dass »Runway« sowohl Laufsteg als auch Start- und Landebahn heißt – nirgendwo sonst sieht man so viel denkwürdige Kleidung wie am Flughafen. Da echte Prominente heute sowieso ständig unterwegs sind, zählen Fotos in der Abflug- oder Ankunftshalle längst zu einer eigenen Paparazzi-Disziplin. Wer hier sträflicherweise übersehen wurde, übernimmt den Job halt selbst, und postet sein sorgsam zusammengestelltes travel outfit auf Instagram oder Snapchat.

Hier zu sehen: Bayern-Profi Franck Ribéry in der Business-, First Class oder im Privatjet – so genau wissen das Economy-Reisende ja nie –, der offensichtlich im Reinen ist mit sich und seinem Look, diesen kontemplativen Moment also teilen möchte. Zu Recht?

Zumindest hat er aufmerksam zugeschaut, wie man als Model, Pop- oder eben Fußballstar heute so unterwegs ist. Die Frage ist ja schon lange nicht mehr, ob Jogginghosen und dergleichen im Flugzeug erlaubt sind, sondern welches Modell derselben es tunlichst sein sollte. Als im März diese beiden Teenager wegen ihrer Leggings von United Airlines des Flugzeugs verwiesen wurden, meldeten sich nicht zufällig vor allem Prominente via Twitter als Kronzeugen zu Wort, sie wären schon mit deutlich weniger oder bequemerer Kleidung eingestiegen.

Rihanna fliegt regelmäßig in Sweatpants und selbst entworfenen Bade-Schlappen. Justin Bieber trug im Mai Joggingshorts mit einem rosafarbenen Kapuzenpulli von Esprit. Model Kendall Jenner wurde jüngst in einem knallorangefarbenen Anzug gesehen, den in der Holzklasse Reisende wahlweise als amerikanische Sträflingsuniform oder Casual Friday der Berliner Stadtreinigung deuten würden, in Wirklichkeit aber natürlich der Entwurf eines irre angesagten Labels namens Heron Preston ist. Die Codes auf diesem Runway sind für Laien mittlerweile so schwer zu kapieren wie die Funksprüche der Fluglotsen.

Ribéry hält sich dementsprechend auch ans Jogger-Ensemble, das Oberteil Ton in Ton zum Unterteil. Weil Sportkleidung bei einem hauptberuflich Sportdress tragenden Fußballer allerdings weit weniger auffällt als bei sonst High Heels tragenden Models, wählt der Franzose die baumwollene Ghetto-Fashion-Variante mit angeschnittenen Ärmeln und Ziernähten zu einer Shorts mit extra tiefem Schritt, die am Ende leider unweigerlich an diese Sommer-Strampler für Babys erinnert. Fachterminus, kein Witz: »Spieler«.

Immerhin farblich stimmt beim Franzosen alles. Gelb gehört schon jetzt zu den Trendfarben 2018, ein bisschen Signalwirkung schadet bei 1,70 Meter Körpergröße nie. Mit schwarzem Baseballcap und weißen Sneakern wird insgesamt ein wandelndes Vorfahrtsschild draus. Perfekter Subtext für unterwegs. Geklärt wäre nebenbei auch, ob der Bayern-Spieler in der Öffentlichkeit lieber inkognito bleibt. Oder nicht.

Typischer Instagram-Kommentar: »Wie immer, der Franck: absolutes Mittelfeld« 
Das sagt der Bayern-Fan: »High Fesch’n!«
Das sagt der Dortmund-Fan: »Tief drinnen wäre er halt doch gern einer von uns.«

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Silke Wichert

hat mehrere Jahre das Moderessort des SZ-Magazins geleitet. Leute sagen deshalb gern vorweg, dass sie sich wirklich! überhaupt! nicht! für Mode interessieren. Um dann, nur mal so interessehalber, hinterher zu schieben: Was trägt man denn gerade so? Auch dafür schreibt sie jetzt diese Kolumne.

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