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Nackte Zahlen: Sexkolumne 06. Dezember 2017

»Berlin – auch egal«

Von Alena Schröder  Illustration: Eugenia Loli

Anhand einer neuen Studie über das Liebesleben in den Bundesländern hat sich unsere Autorin neue Länderslogans für die Schilder an der Autobahn überlegt.

 


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In regelmäßigen Abständen gibt es in Deutschland eine Debatte darüber, was Deutschsein eigentlich ausmacht und meistens enden diese Debatten in kollektivem Schulterzucken auf der einen, und krawalligem Fahnenschwenken auf der anderen Seite. Viel einfacher, als eine Definition des Deutschen an sich scheint es, einen gemeinsamen Nenner auf Länderebene zu finden, weshalb immer wieder Werbeagenturen damit beauftragt werden, eingängige Slogans zu finden, die die Besonderheit der Bundesländer und seiner Bewohner »en nuce« charakterisieren und Autofahrer an der Autobahn darauf hinweisen sollen, dass sie nun eine für den Verkehr völlig irrelevante Bundesländergrenze passieren.

Nun hat das Partnerschaftsanbahnungsportal »ElitePartner« eine große Studie zum Liebes-, Sex- und Partnerschaftsverhalten der Deutschen durchgeführt und die Ergebnisse nach Bundesländern sortiert. Anhand der vorliegenden Daten lassen sich neue Bundesländerslogans generieren, die Deutschland als auch in Liebesdingen vielfältiges Land präsentieren. Einige Beispiele:

Schleswig-Holstein:
Nirgendwo leben so glückliche Singles wie in unserem nördlichsten Bundesland, das bislang mit dem öden Slogan »Der echte Norden« die Frage aufwirft, ob es irgendwo einen Fake-Norden oder Möchte-gern-Norden gibt, gegen den Schleswig-Holstein hier seine Authentizität beweisen muss. Dank ElitePartner wissen wir nun, dass 63 Prozent der Singles dort mit ihrem Single-Dasein zufrieden sind, so viele, wie in keinem anderen Bundesland. Ein Slogan wie »Schleswig Holstein – Endlich Ruhe!« würde dem Lebensgefühl der sympathisch wortkargen Eigenbrötler im Norden Rechnung tragen.

Hamburg:

Seit einiger Zeit steigert sich die Hansestadt ja nun in einen objektophilen Rausch im Bezug auf seine Elbphilharmonie. Das bisherige Stadtmotto »Wachsen mit Weitsicht« bildet diese Leidenschaft nur bedingt ab. Wohl aber die neuesten Studienergebnisse: Hamburger brauchen besonders viel Freiraum: für 94 Prozent ist »Zeit für sich« besonders wichtig, drei Viertel der Hamburger würden sich trennen, wenn der Partner sie zu sehr einenge. Gleichzeitig sind die Hanseaten besonders tolerant, wenn es um Seitensprünge geht: Nur für 39 Prozent wäre dies ein Trennungsgrund. Kein Wunder: Die erotische Hinwendung zu den heißen Elphiekurven aus Chrom und Glas sind keine echte Gefahr für die Beziehung, da fällt es leicht, großzügig zu sein. Und in einer eine Stadt, die ihr Rotlichtviertel zur Stadtfolklore verklärt, ist sowieso alles möglich. Neues Stadtmotto daher: »Hamburg – heiße Nächte mit Pauli und Elphi.«

Brandenburg:

Der aktuelle Länderslogan »Neue Perspektiven entdecken« scheint geradezu zynisch, spiegelt er doch die Verzweiflung mit der viele Lokalpolitiker einen Gewerbepark nach dem anderen subventionieren, um ihre sterbenden Kommunen doch noch irgendwie vor der totalen Perspektivlosigkeit und damit einhergehenden Entvölkerung zu retten. Zudem ist der Brandenburger gerade für den von Brandenburg buchstäblich umzingelten Berliner ein beliebtes Ziel von Hohn und Spot, gilt er doch als maulfaul, rückständig und etwas tumb. Dabei ist Brandenburg soviel tiefgründiger als sein Ruf: 91 Prozent der Brandenburg legen sehr großen Wert auf einen gebildeten Partner, mehr als in jedem anderen Bundesland. Gleichzeitig scheinen Äußerlichkeiten eher zweitrangig zu sein, nur 58 Prozent der Brandenburger finden gutes Aussehen beim Partner wichtig. Wir plädieren für den neuen Länderslogan: »Brandenburg – Land der inneren Werte.«

Berlin:

»Be Berlin«, das Motto unserer aufregenden Hauptstadt, bringt das Problem seiner Bevölkerung eigentlich ganz gut auf den Punkt: Die Berliner sind zu sehr mit Berlinsein beschäftigt, um ernsthafte Bindungen einzugehen. Jeder dritte Berliner Single findet es schwer, sich auf einen einzigen Menschen festzulegen. Und 39 Prozent der Hauptstadt-Singles sagen, sie finden zwar leicht einen Partner für eine Affäre, nicht aber für eine Beziehung. Jeder dritte hatte schon mal eine Affäre mit einem Kollegen oder einer Kollegin, das sind doppelt so viele wie im Bundesdurchschnitt, was daran liegt, dass Arbeitsverhältnisse in Berlin ebenso unverbindlich und wechselhaft sind wie Liebesverhältnisse. So wurschtelt sich der Berliner durch den mittleren Lebensabschnitt, bis er irgendwann irgendwo hängen bleibt und sich arrangiert, so wie man sich über Jahrzehnte mit einem halbfertigen Flughafen arrangiert. Das passende Moto für dieses Lebens- und Liebesgefühl wäre: »Berlin – auch egal.«

Sachsen:

Nirgendwo legt man mehr Wert auf guten Sex als in Sachsen, nirgendwo sonst holt man ihn sich im Zweifel auch außerhalb der Beziehung: 23 Prozent der Sachsen haben schon einmal ihren Partner betrogen, der Bundesdurchschnitt liegt bei nur 19 Prozent. »So geht Sächsisch!« lautet das selbstbewusste Landesmotto. Wir fragen: Warum so subtil? Und plädieren für »Sachsen – so geht Sex.«

Sachsen-Anhalt:

Hier lässt man sich vom breitbeinigen Mackertum der benachbarten Sachsen nicht einschüchtern. Im einstigen »Land der Frühaufsteher« und aktuellen »Ursprungsland der Reformation« steht man zu Familie, Partnerschaft und Tradition. Mehr als in anderen Ländern legen die Sachsen-Anhaltiner Wert auf einen kinderlieben Partner mit Familiensinn, nur 42 Prozent der Singles im Land sind mit ihrem Singledasein zufrieden. Nach dem Ende des Lutherjahres plädieren wir für »Sachsen-Anhalt: Wie Sachsen, nur kuschliger.«

Rheinland-Pfalz:

Sex zu dritt oder zu viert ist den geselligen Rheinland-Pfälzern nicht fremd, 21 Prozent können von derlei Erfahrungen berichten. Das aktuelle Ländermotto »Wir machen's einfach.« passt da auch weiter-hin ganz hervorragend und darf gern bleiben.

Niedersachsen:
Niedersachsen fackeln nicht lang, wenn der Partner fremdgeht: Für 57 Prozent wäre ein Seitensprung ein ausreichender Grund, die Beziehung zu beenden. Auch hier zeigt sich, dass das aktuelle Ländermotto »Niedersachsen. Klar.« in seiner Schlichtheit geradezu kongenial gewählt ist. Darf gern bleiben.

Hessen:

»An Hessen führt kein Weg vorbei.« ist sicherlich einer der traurigsten Länderslogans, der je erdacht wurde, setzt er das sympathische Bundesland doch auf eine Stufe mit der Menopause und der Steuererklärung. Dabei wollten die Marketingexperten damit vor allem auf die Wichtigkeit Hessens als Verkehrsknotenpunkt zu Lande und in der Luft hinweisen. Doch das geht auch schöner. Tatsächlich haben die Hessen von allen Bundesbürgern die meisten Erfahrungswerte, wenn es um Sex im Auto geht – jeder zweite hat es schon mindestens einmal ausprobiert. Warum also nicht »Hessen: Wir können Verkehr!«

Baden-Württemberg:

Zugegeben, »Wir können alles. Außer Hochdeutsch.« wird als Länderslogan über Jahrzehnte nicht zu toppen sein. Aber da nun endlich ans Licht gekommen ist, dass sieben von zehn Baden-Württembergern sehr großen Wert auf gutes Aussehen bei ihrem Partner legen, mehr als irgendwo sonst im Lande, könnte über »Baden-Württemberg: Innere Werte schätzen wir nur bei Autos.« zumindest einmal nachgedacht werden.

Bayern:

Als einziges Bundesland verzichtet Bayern bislang auf ein griffiges Ländermotto, weil des brauch ma neda, so a Schmarrn! Die Bayern sind selbstbewusst und scheinen sich um ihre Außenwirkung recht wenig Sorgen zu machen, was keine schlechte Voraussetzung für ein erfülltes Liebesleben ist. Wohl auch ein Grund, warum die Menschen laut ElitePartner-Studie nirgends so zufrieden mit ihrem Leben insgesamt sind, wie in Bayern. Und sich auch in Zukunft das Geld für eine Imagekampagne und alberne Werbeschilder an der Autobahn sparen werden.
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Alena Schröder

ist freie Autorin und lebt in Berlin. Sie gelobt, keine »arm, aber sexy«-Kalauer in dieser Kolumne unterzubringen, die sie im Wechsel mit Till Raether schreibt.

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