Die perfide Strategie des US-Präsidenten

Kennen Sie diese lähmende Trump-Müdigkeit, die viele Menschen be­fällt? Aber es gibt einen Weg, Donald Trump und denen, die überall in der Welt seinen Methoden folgen, zu entkommen.

Illustration: Dirk Schmidt

Vor einigen Wochen fummelte ich im Café am Handy herum und entdeckte den Hinweis auf ein Video. Darin war zu sehen, wie Ivanka Trump eine Bühne betrat, auf der Melania Trump neben Donald Trump stand. Melania begrüßte die herbei­stolzierende Ivanka mit strahlendem Lächeln, doch kaum war I. vorbei, verzog M. die Miene, als hätte sie in etwas Gallebitteres gebissen.

Das alles könne man im Video sehen, las ich im Hinweistext. Ich versuchte, das Filmchen auf den Schirm zu bekommen, die

Tatsächlich hatte ich zwanzig Minuten mit dem Schwachsinn der Trump-Show vertan. Ich wollte Ja sagen können, wenn wieder einer fragte: Hast

Ich war müde. Es war diese lähmende Trumpmüdigkeit, die viele Menschen be­fallen hat. Es ist schwer, sich von ihr zu befreien.

Diese Müdigkeit, dieses Auslaugen ist allerdings das Ziel. Steve Bannon, der 2016 Donald Trump den Weg ins Amt ebnete und mittlerweile nur noch gegen Kaution auf freiem Fuß ist, hat über seine Strategie einmal gesagt: The real opposition is the media. And the way to deal with them is to flood the zone with shit. Der wirkliche Gegner seien die Medien, und mit ihnen gehe man am besten um, indem man sie mit Scheiße überschwemme. Gemeint war: Selbst von dreistesten Lügen und gröbsten Unverschämt­heiten kann es nicht genug geben. Sie halten den Gegner beschäftigt. Sie zehren an seinen Kräften. Sie zermürben ihn. Am Ende werden die Menschen vor lauter Betrug und Gemeinheit niemandem mehr vertrauen. Das demokratische System wird unter­miniert sein. Man wird es satt haben.

So ist es geschehen in Amerika, so geschieht es weiterhin, und inzwischen fragt man sich, wie die Zeit bis zum 4. November zu überstehen sein wird (von four more years nicht zu reden). Soll man Chinesisch lernen, um sich abzulenken? Sich dem Käfersammeln zuwenden? Orchideen züchten? Schatzmeister im Schrebergartenverein werden? In Haydns sinfonisches Werk abtauchen? Diese ganze Corona-Zeit verleitet einen sowieso, sich nach innen zu kehren – also: Warum nicht den großen Schnitt machen und sich endgültig von der Welt abwenden?

Das ist der Stand der Dinge: leise Verzweiflung, die aber doch schon so groß ist, dass man auf Videos in Melania

Nichts gegen die chinesische Sprache, gegen Käfer, Orchideen, Schrebergärten und Haydn. Aber vor Trump fliehen kann man nur in die Vernunft.