»Viele Kochbücher wollen Ernährungsratgeber sein«

Gleich in zwei Kategorien gewann Vivi D'Angelo den Deutschen Kochbuchpreis 2025 – mit ihren Kochbüchern über Wursten und Frittieren. Im Interview erklärt die Fotografin, was beides mit Genuss und Lebensfreude zu tun hat. Und wie es zuhause gelingt.

Knuspriger Backfisch – erst das Frittieren macht ihn so unwiderstehlich. 

Foto: Vivi D'Angelo

SZ-Magazin: Zur Buchpremiere Ihres neuen Kochbuchs »Wurst« gaben Sie eine »Darm-Show«. Was genau kann man sich darunter vorstellen?
Vivi D’Angelo: Ich habe dort einige Schaf-, Schwein und Rinderdärme vorgeführt, weil ich faszinierend finde, was für perfekte Formen und Strukturen in der Natur vorkommen. Ein Darm gibt schließlich mit seiner Form das Design der Wurst vor. Und am Ende ist der Blinddarm eines Rindes auch nicht anders als eine schöne Blume.

Da würden Ihnen sicher viele Menschen widersprechen. Die meisten ekeln sich vor Innereien. Sie offenbar nicht.
Ich bin in Italien aufgewachsen, meine Mutter war Ärztin. Wenn sie einkaufen ging, wollte ich immer vor der Fleisch- und Fischtheke warten – und habe mir die Nase an der Scheibe plattgedrückt, denn in Italien sieht man dort noch ganze Tiere liegen. Meine Mutter konnte mir zuhause alles erklären. Beim Verarbeiten zeigte sie mir: Das ist die Lunge, das ist das Gelenk. Schon als Kind fand ich Anatomie sehr spannend. Und da es für mich normal war, habe ich nie einen Ekel entwickelt. Erst viele Jahre später, bei einem meiner ersten Foto-Jobs, wurde mir bewusst, dass das für viele Menschen nicht normal ist: Ich sollte einen Kurs fotografieren, in dem ein halbes Schwein zerlegt wurde. Den gestandenen Männern neben mir wurde reihenweise schlecht, mir nicht. Wenn man ein Tier zerteilt, sieht man, dass es einmal gelebt hat – ein Steak dagegen kann man komplett abstrahieren.