Die beste Schule

Als Kellnerin und Barkeeperin hat unsere Kolumnistin nicht nur die glanzvollen Seiten des Lebens kennengelernt – dafür sich selbst und die Menschen aber ziemlich gut.

Foto: Maurizio Di Iorio

Die Schürze, die ich mehr als zehn Jahre lang tragen sollte, band ich mir um die Hüften, als ich gerade 16 geworden war. Ich wollte im Sommer mit einer Freundin auf große Zugfahrt gehen, quer durch Europa, vier Wochen, und dafür brauchte ich Geld. Im Nachbardorf gab es ein Wirtshaus mit einem Biergarten, und die Wirtin brauchte eine Kellnerin. An meinem ersten Arbeitstag, vermutlich war es ein Samstag, ich ging ja noch zur Schule, kam nach einer halben Stunde die

Mein Leben als Kellnerin war von Anfang an eine Lektion in Gegensätzen. Ich verrechnete mich regelmäßig, und nicht immer zu meinen Gunsten. Als ich für eine Weile in einem schicken Hotelrestaurant die Hautevolee unserer Kleinstadt bediente, war das einerseits sehr ärgerlich, weil der Chef grundsätzlich selbst kassierte und das Trinkgeld einstrich, andererseits fütterten mich dann eines Nachts privat zwei gut aussehende Studenten in einer Suite genau jenes Hotels mit Pralinen aus der Konfiserie des Chefs, was sehr schön und den

Als ich mehr aus Versehen die Geschäftsführung einer winzigen Bar übernahm, habe ich ein Jahr kaum geschlafen, aber gelernt, welche Grätsche in eine Getränkebestellung passt – »Einen doppelten Espresso und einen Cognac, bitte« –, was sie bedeutet – »Meine Frau verlässt mich gerade« –, wie schnell das alles mit mir zu tun haben kann – »Wann hast du denn heute Feierabend?« –, und dass einem auch Zufallsbekanntschaften das Herz zerknittern können.

Meine Arbeit als Barfrau in einem Szeneladen war sowohl

Tatsächlich habe ich in den Jahren hinterm Tresen viel