Warum Korn gerade jetzt glücklich macht

Endlich haben die Stammkneipen wieder geöffnet: Ein Ort, der sich anfühlt wie zwanzig Jahre Verheiratetsein – und zu dem ein alkoholisches Getränk besonders gut passt. 

Foto: Maurizio Di Iorio

Als ich dann zum ersten Mal wieder in der Kneipe saß, war alles wie immer. Die Tische waren noch genauso abgeschabt, der Holzboden knarrte, und die Frauenrunde, die sich viel zu laut über Kreuzfahrten oder Rückenschmerzen unterhält, saß auch schon in ihrer Ecke. Natürlich war nicht alles wie vorher, im Gastraum fehlten ein paar Tische wegen der Abstandsregeln, und der Kellner war hinter seinem Mundschutz noch schwerer zu verstehen als sonst. Aber da war sofort wieder dieses durchdringende Gefühl des

Ich mag es eigentlich nicht, wenn Leute sagen, Corona habe den Sinn dafür geschärft, was wichtig ist. Dass man mehr genießen und nicht alles selbstverständlich finden soll. Dieses Gerede von der Krise als Chance ist etwas für Mental­coaches oder FDP-Parteitage. Und doch ist es ja so: Was man an den ganz normalen Dingen hat, merkt man erst, wenn sie einem gefehlt haben. Oder über mehrere Monate geschlossen waren, wie die Stammkneipe.

Die Stammkneipe, das ist der Ort, der immer da

Oft bin ich an meiner Kneipe vorbeigelaufen, weil ich gehofft habe, dass der Abend etwas Aufregenderes bringt. Oder nahm ich eben einfach nicht wahr, was ich an diesem Ort hatte? In der Stammkneipe muss man nicht besser und interessierter wirken, als man ist, man kann einfach dasitzen und wird auch für sein langweiliges, unehrgeiziges Selbst gemocht. So wie die Berliner Kneipengänger im Film Herr Lehmann, der im November 1989 spielt. Im Fernseher über dem Tresen ist zu sehen, dass ein paar Straßen weiter gerade die Mauer gefallen ist, und einer sagt, da sollte man doch los, sich das ansehen. Worauf der andere Stammgast nur kurz den Kopf hebt und sagt: »Erst mal austrinken.«

Das Getränk zu dieser Stimmung ist der Korn. Den

Trinken Sie von mir aus ein Hipster-Gedeck, also noch