Wie man Zivilcourage zeigt, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen

Was tun, wenn man in der U-Bahn einen Übergriff miterlebt? Wenn man einen Unfall sieht oder der Streit in der Nachbarwohnung zu eskalieren droht? Ein Kriminaloberrat und ein Zivilcourage-Trainer geben Tipps für das Verhalten in Notsituationen.

Liegt jemand regungslos am Boden, sollte man die Person nicht einfach schütteln, sondern sie laut und deutlich ansprechen.

Foto: Getty Images / Jan-Otto

Auf dem Heimweg vom Blutspenden war ich etwas wackelig auf den Beinen. In der U-Bahn war kein Sitzplatz frei, und weil ich nicht nach einem fragen (und mich erklären) wollte, blieb ich stehen. Schwerer Fehler. Am Zielbahnhof stolperte ich aus dem Waggon, auf dem Weg zu den Sitzbänken kroch ich auf allen Vieren. Danach fehlen mir ein paar Minuten. Als ich wieder zu mir kam, war gerade die nächste U-Bahn losgefahren. Ich kramte mein Handy aus der Tasche und rief

Für mich ging damals alles gut aus – doch mein Menschenbild ist seitdem ein anderes. Niemand half mir, viele gingen vorbei und schüttelten sogar noch den Kopf. Es war an einem Septembertag vor ein paar Jahren in München, das Oktoberfest hatte gerade begonnen, die Leute hielten mich wohl für ein besoffenes Wiesn-Opfer. Gleichzeitig weiß ich natürlich nicht, wie ich reagiert hätte.

Tagsüber in der U-Bahnstation, umgeben von vielen Menschen, kann man helfen, ohne sich in Gefahr zu bringen. Aber wie

Um das herauszufinden, habe ich mit Experten gesprochen: dem Kriminaloberrat Arno Helfrich und dem Zivilcourage-Trainer Martin Marino von der »Aktion Münchner Fahrgäste«. Sie raten:

Streitet sich da ein Paar oder wird jemand belästigt? Oft helfen Details bei der Einschätzung: Siezen sie sich? Machen sie sich gegenseitig Vorwürfe? Einfach wegschauen sollte man bei einem Beziehungsstreit aber nicht, auch der kann eskalieren. »Sobald man das Gefühl hat, dass jemand bedroht wird oder anderweitig in Gefahr ist, sollte man die Polizei rufen und die Situation schildern«, sagt Arno Helfrich, der den Bereich Prävention und Opferschutz bei der Münchner Polizei leitet. »Die Beamten stellen die richtigen Fragen und vergewissern sich im Zweifel lieber selbst.« Er empfiehlt, auf das Bauchgefühl zu hören. »Man macht nur etwas falsch, wenn man nichts macht, sich wegdreht, weggeht.« Wird man selbst bedroht, sollte man umgekehrt darauf achten, den Angreifer zu siezen (»Fassen Sie mich nicht an!«), um verbal Distanz aufzubauen und Passanten zu signalisieren, dass man bedroht wird.

Ob man nachts allein im Auto unterwegs ist oder in der U-Bahn – den Notruf kann jeder wählen, aus sicherer Distanz im Auto, um die Ecke oder ein paar Türen weiter in der Bahn. »Wer jemandem in Gefahr oder Not nicht hilft, obwohl es ihm zuzumuten ist, macht sich sogar strafbar«, sagt Arno Helfrich. »Und Hilfe zu holen ist aus meiner Sicht immer zumutbar.« Unter der 110 erreicht man die Polizei (bei einem Verbrechen oder einer bedrohlichen Situation), unter der 112 die Feuerwehr (bei einem Unfall oder Brand). In öffentlichen Verkehrsmitteln kann man auch die Notsprechanlage benutzen, oder man spricht die Fahrerin oder den Fahrer an. Die Leitstelle braucht vor allem diese Informationen: Wer ruft an? Was ist passiert? Wo ist es passiert? Wie viele Personen sind beteiligt?

Martin Marino gibt regelmäßig Zivilcourage-Trainings in München. Dabei spielt er dieses Szenario durch: Eine Frau sitzt in der U-Bahn am Fenster, ein Mann setzt sich neben sie, stellt den Fuß auf die Bank, sodass sie nicht weggehen kann, und beginnt, sie zu bedrängen. »Gerade Männer meinen dann, sie sollten hingehen und den Mann auffordern, die Frau in Ruhe zu lassen«, sagt Marino. Doch statt den Täter zu konfrontieren, rät er, sich zu nähern und der Frau die Hand zu reichen, sie zu fragen, ob sie Hilfe brauche, oder vorzuschlagen: »Ich sehe, dass Ihnen die Situation unangenehm ist, kommen Sie, wir setzen uns woanders hin.« Denn damit rechne der Täter nicht, sagt Martin Marino. Mit dem Angreifer dagegen sollte man sich möglichst nicht direkt auseinandersetzen, empfiehlt auch Arno Helfrich.

Das gilt sowohl für

»Bystander-Effekt«

»Zivilcourage

Liegt jemand regungslos am Boden, sollte man die Person nicht einfach schütteln, sondern sie laut und deutlich ansprechen und Hilfe anbieten. Eine bewusstlose Person mit Atmung und Puls bringt man in die stabile Seitenlage, ohne Atmung und/oder Puls beginnt man sofort mit Wiederbelebungsmaßnahmen. In der Bahn oder öffentlichen Gebäuden gibt es Defibrillatoren. Stark blutende Wunden drückt man mit einer Kompresse oder mit sauberen Tüchern ab.

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