Der Aktivist

Auf seiner Welttournee wird der ehemalige Pink-Floyd-Sänger ­Roger Waters gefeiert. Weil der 75-jährige Brite die ­Organisation »BDS« unterstützt, die zum Boykott Israels aufruft, werfen ihm Kritiker antisemitische Motive vor. Er entgegnet: »Man will mir den Mund verbieten!« Ein Streitgespräch.

Roger Waters im »Amstel Hotel« in Amsterdam. Seine Tournee führt ihn noch bis Mitte Dezember um die Welt.

Roger Waters, 75, Mitgründer von Pink Floyd, einer der einflussreichsten und reichsten Musiker seiner Generation: Lang, zäh, fit und aufgebracht sitzt er zwei Tage nach seinem letzten Deutschland-Konzert in der Suite im siebten Stock des Hotels »Bayerischer Hof« am Promenadeplatz in München. In der Olympiahalle hatte er den Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter attackiert, der Waters zuvor in einer Pressemitteilung der Stadt München antisemitische Ressentiments unterstellt hatte.

Die von Waters geschaffene Musik hat Klassikerstatus, seine laufende Welttournee zählt zu den kommerziell erfolgreichsten in der Geschichte der Popmusik. Zugleich stand in Deutschland in diesem Sommer jener große Vorwurf gegen ihn im Raum: Antisemitismus. Spendete Waters zunächst nur jahrelang viel Geld für kulturelle und humanitäre Projekte in Gaza, so unterstützt er seit 2006 zusätzlich die Kampagne BDS – »Boycott, Divestment, and Sanctions«. BDS-Aktivisten appellieren an Politiker, Firmen, Künstler, Forscher oder Sportler, ihre Auftritte, Investitionen oder Kooperationen im Zusammenhang mit Israel abzusagen oder einzustellen. Als BDS-Aktivist überzieht Waters andere Künstler mit Boykottaufrufen, um diese davon abzuhalten, Konzerte in Israel zu geben. Zwischen dem Jubel für den legendären Musiker und Texter Waters und der heftigen Ablehnung des Aktivisten Waters sieht er selbst, wie er zu Beginn dieses Gesprächs sagt, »eine Mauer des Schweigens«.

Roger Waters und der Interviewer trafen sich nach dem Eklat in München zunächst spontan und für mehrere Stunden. Es wurde in diesem Gespräch immer wieder laut. Man entschied, sich für ein zweites Gespräch wiederzusehen. Bei diesem zweiten Treffen – im »Amstel Hotel« in Amsterdam – wurde das Interview aus München ergänzt und aktualisiert.

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