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Musik 05. Juli 2012

Feuer, Wut und feine Lyrik

Fotos: Andreas Mühe

Erstmals hat die Band Rammstein Journalisten einen tiefen Einblick in ihr Leben und ihre Arbeit gestattet. Für die morgige Ausgabe des SZ-Magazins begleiteten der SZ-Journalist Alexander Gorkow und der Fotograf Andreas Mühe die Musiker mehrere Wochen lang auf ihrer Tournee durch Kanada und die USA. Ein Auszug.


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»Wer Gutes tut, dem wird vergeben / So seid recht gut auf allen Wegen / Dann bekommt ihr bald Besuch / Wir kommen mit dem Liederbuch.«
(Rammstein, Ein Lied)

Rammstein sind Deutschlands größtes Missverständnis - zugleich sind sie Deutschlands größter Kulturexport. Mit Journalisten reden die Musiker ungern oder gar nicht. Der Leiter der Seite Drei der Süddeutschen Zeitung, Alexander Gorkow, (45), und der Fotograf Andreas Mühe, (32), kennen die Band seit Jahren. Erstmals gewährten die Musiker jetzt einen tiefen Einblick in ihr Leben und ihre Arbeit: Gorkow erinnert sich an »viele, viele Stunden mit nachdenklichen, musikalischen und im Kern total aufsässigen Anarchisten«.

Rammstein formierten sich 1994 in Berlin-Prenzlauer Berg. Schnell provozierten Rammstein, zu deren Vorbildern die slowenische Kunstgruppe Laibach zählte, deutsche Behörden und Kritiker mit brachialem Sound und einer martialischen Bühnenperformance aus Feuer und Licht. Anerkennung und Ruhm kamen über das Ausland: US-Regisseur David Lynch untermalte mit der Band 1996 seinen Psychothriller Lost Highway. Der linke Philosoph Slavoj Žižek sagte in einem Interview der taz im Jahr 2010: »So wie Charlie Chaplin in Der große Diktator Hitler zwischen Gebrabbel nur ›Apfelstrudel‹ und ›Wiener Schnitzel‹ sagen lässt, so sabotiert Rammstein auf obszöne Weise die faschistische Utopie.«



Hinter der brachialen Fassade der Musik und einer pro Abend rund eine halbe Million Euro teuren Show erklingt dann oft eine erstaunlich leise Lyrik: »Doch der Abend wirft ein Tuch aufs Land / Und auf die Wege hinterm Waldesrand.«

Und so beschreibt Alexander Gorkow in dem 30-seitigen Porträt etwa Till Lindemann, den Sänger, als Widerspruch-in-Sich: Auf der Bühne eine Kreatur. Und aber auch ein Mann, der leise und wie geschrumpft im Schatten einer Poolbar eines Hotels in Phoenix sitzt, über seinen Texten, über seinen Zeichnungen. Teils ist das Lyrik für seinen Enkel, den kleinen Fritz. Teils ist es auch Lyrik für keinen kleinen Fritz dieser Welt. Mal werden Lieder für Rammstein draus, mal nicht. Mal sind es regelrechte Kurzgeschichten. Mal stehen da nur zwei Zeilen, alleine auf einem Blatt, und schon klingt das wie die Gesamtausgabe Rainer Werner Fassbinders: »In stillen Nächten weint ein Mann / Weil er sich erinnern kann.«

Thilo »Baby« Goos, zuständig für die Veranstaltungstechnik, sagt über die Tournee: »Das, mein Lieber, ist eine der größten Bühnen, die momentan unterwegs sind. 24 Meter breit, 15 Meter hoch, eine reine Stahlkonstruktion. Hier werden 100 Lautsprecherboxen und viel Licht ans Hallendach gehängt, die Crew zieht 50 Tonnen Equipment an 120 Motoren hoch. Die Anlage hat 380 000 Watt. Es muss dengeln. Es ist Rammstein. Die meisten Produktionen sehen heute aus wie Fernsehstudios. Auch die Rockkonzerte. Eiskalt. So geht's auch. Aber nicht bei Rammstein.«

Im SZ-Magazin zeigen Alexander Gorkow und Andreas Mühe die Band in vielen privaten, mitunter intimen Momenten hinter der Bühne. Morgen im SZ-Magazin: ein ganzes Heft auf Tour mit Rammstein.
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