Ich war in Berlin. Mein Hotel war früher ein Frauengefängnis gewesen, aber die Architekten haben daraus eine Perle des Übernachtungswesens gemacht. Die Zimmer sind die Ruhe selbst, ein hübscher Garten umgibt das Gebäude, und im Erdgeschoss befindet sich ein, wie man heute sagt, megagemütlicher Raum mit riesigen Sofas. In zwei Räumen brannten gasbefeuerte Kamine, von Holzfeuern kaum zu unterscheiden. Ist es nicht faszinierend, dass selbst ein Holz-kamin-Imitat uns noch so in den Bann zieht? Bei einem meiner Ärzte in München lodert im Wartezimmer ein Elektrokamin, der digitale Knistergeräusche macht. Leider gibt es nur Wasser aus einem Trinkapparat, keinen Rotwein, sonst möchte man stundenlang warten, so megagemütlich ist es beim Arzt.
Hotel mit Zehblick
Als unser Kolumnist in einer Hotellobby Zeuge wird, wie ein nackter Männerfuß gekrault wird, bekommt er einen Wutanfall, der eines Neandertalers würdig gewesen wäre.

Illustration: Dirk Schmidt