Verstörendes Dudeln

Auch das noch! Ein Forschungsinstitut hat herausgefunden, welche seltsamen Geräusche das Coronavirus von sich gibt.

Illustration: Dirk Schmidt

Leser K. schrieb mir, er sei neulich mit der U-Bahn gefahren, da habe sich auf den Platz diagonal gegenüber ein »durchaus soignierter Herr« gesetzt, ohne Maske. Er, also K., habe ihn gebeten, eine solche aufzusetzen. Antwort: »Wissen Sie, ich bin Mediziner …«

K. schrieb: »Ich floh unverzüglich.«

Ich fragte mich, ob es vielleicht eine gute Idee sein könnte, mit 200 Sachen im Auto über den Kurfürstendamm oder die Leopoldstraße zu jagen, und wenn einen die Polizei anhielte, sich so soigniert wie

Ein anderer Leser, Herr B., machte mich darauf aufmerksam, dass man am Massachusetts Institute of Technology in Boston das Coronavirus hörbar gemacht habe. Das war möglich, weil von Natur aus im Spike-Protein (das mit

Was man dann im Falle von SARS-CoV-2 höre, sagt Markus J. Buehler vom MIT, »ist eine mehrschichtige algorithmische Komposition, die sowohl das Vibrationsspektrum des gesamten Proteins im Klang und den rhythmischen Elementen widerspiegelt, aber

Yeah!

Allerdings teile ich nicht Buehlers Ansicht, das führe »zu unglaublich interessanten und sogar angenehm beruhigenden Klängen«. Denn beruhigend hört sich das Stück in einigen Sequenzen gar nicht an, eher, um es mit einer beliebten Feuilletonisten-Vokabel zu sagen, phasenweise doch so verstörend, dass man jedenfalls das Konzert eines modernen Komponisten, der solche Werke schafft, unauffällig ­verließe.

Aber das ist hier nicht wichtig.

Worauf es ankommt: Es bezeugt einerseits die Heimtücke von SARS-CoV-2, dass es, obwohl es hörbar sein könnte, sich so lautlos in unser Inneres schleicht. Andererseits müsste man ja nur spezielle Geräte erfinden, die den Virenklang jederzeit hörbar machen, und viele unserer jetzigen Probleme wären gelöst. Auch asymptomatisch (aaaah, wie einem diese Fachvokabeln jetzt schon so leicht von der Zunge kommen!) Erkrankte wären dann jederzeit an dem Plingplang erkennbar, das aus ihren Hälsen, Rachen, Nasen und Lungen erklänge.

Und wäre nicht überhaupt folgender Gedanke reizvoll: Dass all die Geräusche, die Menschen machen, die an von Coronaviren jeder Art verursachten Erkrankungen leiden, all das blecherne, bölkende,

Man würde dann schon beim Betreten des Supermarktes, kurz die Lauscher spitzend, erkennen, dass hinten bei den Nudeln ein an SARS-CoV-2-Leidender seinen Einkaufswagen füllt, und sich also

Und dämmerte man in der U-Bahn vor sich hin, schräke aber plötzlich auf, weil diagonal gegenüber ein Maskenloser Platz nähme, der alle akustischen Zeichen eines Corona-Leidens verströmte

Doch der sich dann leicht Vorbeugende würde vielleicht sagen: »Wissen Sie, ich bin Musiker …«