»Ein Reclamheft kann so kurzsichtig machen wie ein Smartphone«

Schadet die viele Bildschirmzeit seit Pandemiebeginn unserem Sehvermögen? Wolf Alexander Lagrèze, Spezialist für Augenheilkunde, erklärt, wie viel Digitalzeit okay ist, wie man die Augen im Computeralltag entspannt – und wie Kinder das Risiko, kurzsichtig zu werden, halbieren.

Je früher Kinder kurzsichtig werden, desto dicker die Brille im Alter, sagt der Experte.

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SZ-Magazin: Herr Lagrèze, zwei Jahre Homeschooling und Lockdown: Stellen Sie seither vor allem bei Ihren jüngeren Patientinnen und Patienten fest, dass sie nicht mehr in die Weite sehen können?
Wolf Alexander Lagrèze: Es gibt für den europäischen Raum keine Daten, die zeigen, dass sich die Sehkraft während der Coronapandemie verschlechtert hat. Die KiGGs-Studie der letzten 11 Jahre zeigt keine Zunahme der Myopie, wie Kurzsichtigkeit in der Fachsprache heißt. Erst wenn wir die Sehkraft von Menschen in Deutschland oder Europa langfristig beobachten, stellen wir fest, dass immer mehr Menschen kurzsichtig werden. Aber dabei handelt es sich um Zeiträume von 50 oder 60 Jahren. Dass durch die langen Bildschirmzeiten in der Pandemie immer mehr Kinder in Deutschland kurzsichtig werden, ist ein Mythos, der sich hartnäckig hält.