Helfen Wadenwickel, Hühnerbrühe und Waldspaziergänge wirklich?

»Die Naturheilkunde ist kein esoterischer Hokuspokus«, weiß Roman Huber, der an der Uniklinik Freiburg an Therapien jenseits der klassischen Medizin forscht. Im Interview bewertet der Arzt die gängigsten Hausmittel nach ihrer Wirksamkeit – und entlarvt auch so manchen Mythos.

Hilft eine Hühnersuppe wirklich gegen Erkältungssymptome?

Foto: Jasmin Merdan/Getty Images

SZ-Magazin: Professor Huber, Sie sind Internist, Gastroenterologe – und leiten das Freiburger Uni-Zentrum für Naturheilkunde. Wie kam es zu Letzterem?
Roman Huber: Die Naturheilkunde hat mich schon während des Studiums interessiert, weil ich die in meinen Augen oft sehr auf einfache Ursache-Wirkungs-Beziehungen und Lösungen ausgerichtete Medizin teilweise als unbefriedigend empfand. Ich glaube mehr an komplexe Zusammenhänge und finde ganzheitliche Ansätze geeigneter, um Zugang zu den Patienten zu bekommen. Gerade bei chronischen Krankheiten. Hinzu kommt, dass viele Patienten durch die Maschen der heute überall angewandten medizinischen Leitlinien fallen. Und wieder andere wollen nicht danach behandelt werden, sondern haben eigene Vorstellungen. Ich finde, dass es in unserer Medizin auch dafür Wege geben muss.

Nehmen Sie mit dieser Auffassung eine Sonderstellung unter Ihren Kolleginnen und Kollegen ein?
Die habe ich schon allein deshalb inne, weil die Naturheilkunde nicht sehr oft an Unikliniken angeboten wird. Aber dass diese gut angenommen wird, sehen wir an den vielen Konsilen, die die unterschiedlichsten Abteilungen bei uns anfordern. Erst gestern war ich wieder in der Chirurgie, wir werden häufig von der Inneren Medizin, Kinderklinik oder der Strahlentherapie um Rat gebeten. Unser Zentrum ist mit den anderen medizinischen Abteilungen gut vernetzt und steht in einem engen Austausch. Darauf kommt es meiner Meinung nach an: eine Durchlässigkeit für verschiedene Diagnose- und Therapieansätze zu schaffen, um den Patienten bestmöglich und nach allen Regeln der Medizin behandeln zu können.

Was sind die häufigsten Situationen, in denen Sie um Hilfe gebeten werden?
Oft bei Patienten, die eher funktionelle Probleme, nicht erklärbare Schmerzen oder Befindlichkeitsstörungen haben und bei denen die Kollegen mit der normalen Diagnostik nicht weiterkommen. Sehr häufig betrifft das den Magen-Darm-Trakt, zum Beispiel beim Reizdarm-Syndrom. Auch viele Tumorpatienten haben einen großen Bedarf, in diesem Bereich beraten zu werden. Sie wollen Informationen dazu, was sie – neben den klassischen und notwendigen Therapien – machen können, um diese besser zu überstehen und ihre Lebensqualität insgesamt zu verbessern.

Was genau zeichnet die Naturheilkunde denn aus – und was ist sie nicht?
Die natürlichen Prinzipien, die zur Anwendung kommen: Physikalische Reize, Heilpflanzen, Ernährung, Bewegung und Entspannungsverfahren. Die Selbstregulation von gestörten psycho-vegetativen und hormonalen Prozessen und die funktionelle Diagnostik spielen dabei eine wichtige Rolle. Homöopathie, Akupunktur oder Anthroposophische Medizin gehören streng genommen nicht zur Naturheilkunde, sondern zur Komplementärmedizin.

Wird Ihnen oft Esoterik nachgesagt?
Die Naturheilkunde ist ein medizinisches Pflichtfach und kein esoterischer Hokuspokus. Allerdings spielen spirituelle Aspekte für eine gute Behandlung eine wichtige Rolle, denn wenn man die nicht berücksichtigt, hat man den Patienten auch nicht richtig begriffen. Wir arbeiten in unserer Disziplin mit ganz rationalen Prinzipien, die auf klaren medizinischen Grundlagen fußen und sich in ihrer Wirksamkeit wissenschaftlich nachweisen lassen.

Könnte man sagen, dass die klassische medizinische Forschung eher in die Zukunft blickt und die Naturheilkunde eher in die Vergangenheit?
Nein. Viele der Verfahren gibt es natürlich schon sehr lange, aber das heißt nicht, dass sie nicht noch verbessert werden können. Auch die Naturheilkunde ist im Fluss, wie alle wissenschaftlichen Richtungen. Es gibt zum Beispiel ständig neue Erkenntnisse zu Pflanzenpräparaten, Gleiches gilt für die Ernährung: Wie wirkt sich eine vegane, vegetarische oder ketogene Ernährung auf den Körper aus? Hat das einen Effekt auf den Entzündungsstoffwechsel oder auf Ablagerungserkrankungen? Diese Fragen sind spannend und aktuell.

»Honig hat eine angenehme Konsistenz und beinhaltet einige schleimhautschützende und antibakterielle Stoffe. Er ist hygroskopisch, zieht also alles Mögliche aus dem Gewebe heraus und entquellt es. Einige Studien zeigen, dass er auch bei Schleimhautproblemen im Mund helfen kann, etwa nach Schädigungen durch eine Chemotherapie. Durch seine Zähflüssigkeit legt sich der Honig auf die Schleimhäute, weshalb eine gewisse Linderung bei Reizhusten oder einem gereizten Rachen zu erwarten ist. Aber Achtung: Kinder unter einem Jahr dürfen nicht mit Bienenhonig gefüttert werden, weil dieser bestimmte Keime enthalten kann, die für Babys giftig sind. Insgesamt wäre Honig aber ohnehin nicht mein Hausmittel Nummer eins. Es gibt Pflanzen, die noch besser schützende Schleimstoffe enthalten, die Ringelblume etwa oder Salbei. Als Tee, in kleinen Portionen getrunken, hilft das sehr gut. Und fast noch besser sind normale Hustenbonbons, weil sie über eine längere Zeit im Mund bleiben und so die Schleimhäute besonders effektiv beruhigen können.«

»Eine Hühnersuppe ist eine gute Kräftigungsmahlzeit für Rekonvaleszente und für Menschen, die

»Eine sehr effektive Behandlung, auch bei einer Nasennebenhöhlenentzündung, die

»Zwiebelsaft ist etwas

»Wissenschaftliche Untersuchungen sind nicht eindeutig zu dem Ergebnis gekommen, dass diese Kombination bei Magen-Darm-Beschwerden hilfreich ist, meine Erfahrung damit ist aber durchaus positiv. Das liegt zum einen an der prokinetischen Wirkung von Cola, das heißt, es regt den Verdauungstrakt an. Außerdem führt es über den Zucker Energie zu und wirkt durch das Koffein anregend, weshalb man sich insgesamt besser fühlen kann. Eine spezifische Wirkung auf den Magen-Darm-Bereich scheint es aber eher nicht zu haben, es ist zudem wichtig, dass man die Kohlensäure entfernt, bevor man es trinkt. Die Salzstangen helfen vor allem dabei, Natrium-Verluste durch den Durchfall auszugleichen. Dadurch kann sich der Blutdruck wieder verbessern, wobei das nur sehr einseitig ist, weil Kalium durch die Salzstangen nicht zugeführt werden kann. Effektiver sind deshalb Halbelektrolytlösungen, die Sie in der Apotheke kaufen können – oder verdünnter Apfelsaft. Studien haben ergeben, dass das genau so effektiv ist wie eine käufliche Elektrolytlösung. Auch geriebener Apfel ist übrigens gut, wegen der so freigesetzten Pektine. Das sind nicht-lösliche Ballaststoffe, die quellen und Flüssigkeit aufnehmen können. Dadurch wird der Stuhl ein bisschen eingedickt. Apfel ist in mehrfacher Hinsicht günstig, weil er auf den Durchfall wirkt und Vitamine, Spurenelemente und noch ein paar Kalorien dazu enthält.«

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