Wie man den inneren Schweinehund bezwingt

Ständiges Aufschieben hält einen davon ab, der Mensch zu sein, der man sein will, sagt die Psychologin Daniela Bernhardt. Woher aber kommt der innere Widerstand gegen all das, was sinnvoll wäre – und wie überwindet man ihn? Ein Interview.

Foto: Getty Images James O'Neill

Frau Bernhardt, bis Weihnachten wollte ich fünf Kilo abgenommen haben, stattdessen habe ich drei zugenommen. Warum?
Sie hatten eigentlich keine schlechten Voraussetzungen, weil Sie sich ein messbares, konkretes Ziel gesetzt hatten. Aber Zielsetzung und Umsetzung sind leider zwei Paar Schuhe, und viele Menschen denken, dass es mit der Zielsetzung schon getan ist.  

Was hindert uns am Loslegen?
Wenn wir bei Ihrem Beispiel bleiben: Abnehmen hat viel mit Ernährung zu tun und die wiederum sehr viel mit Gewohnheiten. Was esse ich, wann esse ich, wie kaufe ich ein? Viele der mit Ernährung verbundenen täglichen Entscheidungen treffen wir nicht bewusst, sondern greifen beispielsweise im Supermarkt zu bestimmten Lebensmitteln, ohne groß darüber nachzudenken. Gewohnheiten erfüllen eine wichtige Funktion, indem sie uns im Alltag kognitiv entlasten. Gleichzeitig sind sie – einmal etabliert – recht resistent und nicht einfach durch eine Zielsetzung zu ändern. Zumal ein häufiges Problem bei Vorsätzen ist, dass sie sich auf Bereiche beziehen, in denen bereits starke Gewohnheiten vorhanden sind. Und man unterschätzt, wie stark diese unser Verhalten steuern.