Das ganz kleine Glück

In Zeiten, in denen man tief im Schlamassel steckt, gibt es eine neue Anfälligkeit für spontane Freude und kleines Glück. Dafür reicht manchmal schon eine Tasse heiße Milch mit Honig.

Foto: Maurizio Di Iorio

Kennen Sie diese Menschen, die Corona immer noch was Gutes abgewinnen wollen? So krampfhaft, dass es knirscht. Oder so abstrakt, dass es schon fast unsensibel wird.

Und trotzdem ist da ja vieles, was besser wurde. Dieser Ortwechsel-Stress, der wegfällt, dieses Von-A-nach-B-Hetzen, dieses Überall-ein-bisschen-zu-spät-Sein, ein bisschen zu schlecht vorbereitet, ein bisschen zu eilig mit allen reden, damit es wieder weitergehen kann, um diese kleine, aber zermürbende Verspätung kontinuierlich durch den Tag zu schleppen. Es gab Zeiten, da habe ich wochenlang abends

Seit Corona bin ich ständig zu früh – zu den wenigen Gelegenheiten, die sich noch bieten, irgendwo erwartet zu werden. Spaziergänge oder Kaffee-Dates waren früher oft in den Tag gequetscht zwischen Arbeit, Kind und Einkaufen, und während man so spazierte, wusste man schon, später muss noch für ein Kind gekocht werden, und zwar rasch,

Und jetzt, zurückgeworfen auf eine schöne Mahlzeit am Tag und einen Spaziergang mit Sonnenlicht als Tageshöhepunkte, wird beides auf einmal richtig besonders. Das Essen wurde bei uns auf fünf Uhr verlegt, weil da die eine noch Lust und Freude am Kochen hat und die andere noch fit genug ist, um genussvoll zu essen. Und

Der neue Alltag entschlackt an guten Tagen den Geist, bereinigt die Fühltiefe, so viel öfter weiß ich nun, was ich wirklich denke, will und machen werde. Diese Entscheidungsfreude, auch bei anderen, weil viele sich im anders fordernden Pandemie-Alltag trauen anzuerkennen, was sie alles nicht wollen, und auch keine Notwendigkeit mehr sehen, noch so zu

Und dann diese neue Anfälligkeit für spontane Freude und kleines Glück – weil man einfach sehr viel weniger ­voraussetzt für den Tag. Etwa: Wenn man um die Ecke biegt, und dieses nette Café hat offen und rät zu heißer Milch mit Honig und selbst gemachten Zimtschnecken? Nie getrunken, nie gegessen. Aber ja, warum denn

Ja, manchmal fühlt sich das Haben jetzt nach mehr an, obwohl doch eigentlich alles weniger geworden ist. Das ist für Weihnachten ja erst mal keine schlechte ­Voraussetzung.