Süß-scharfe Traumreise

Wenig hilft unserer Kolumnistin so zuverlässig gegen Ängste, wie ein Kurzurlaub im Kopf. Zum Beispiel nach St. Petersburg, wo sie ein Getränk aus Wodka, Himbeersirup und Tabasco kennenlernte, das Körper und Seele wärmt.  

Foto: Maurizio Di Iorio

Wenn ich zurzeit nachts nicht schlafen kann, weil mir ein halber Waggon voller Ängste im Nacken sitzt, träume ich mich in eine der Reisen meiner Vergangenheit, zum Beispiel direkt nach St. Petersburg, im Januar, bei minus 25 Grad, plus Ostwind, gefühlt sind das ungefähr minus 50 Grad. Es ist nicht die Zeit der weißen Nächte, es ist die Zeit, in der alles silbern ist.

Die Hintergrundfarbe ist dunkel, wir sind im russischen Winter, aber die Straßen und Häuser und Prachtboulevards

St. Petersburg im Januar ist ein Märchen, und nichts außer diesen bodenlangen Kapuzenpelzmänteln, wie sie nur

In einer anderen Ecke der Stadt dann, in einer sehr wilden Dritter-Hinterhof-links-Bar, wird mir ein giftroter

»Bojarski«, sagt der Barmann. Er ist groß und dünn, er trägt ein Ringelshirt, seine Haare sind

»Bojarski?« Ich weiß nicht, was das sein soll.

»Michail Sergejewitsch Bojarski«, sagt er. »Sowjetischer Filmstar. Wodka,

»Ui«, sage ich, und der Barmann lächelt, und

Im echten Leben habe ich Bojarski nur einmal

Ich schlafe ein. Die Ängste zerfließen im Himbeersirup.