Der beste schlechte Kaffee meines Lebens

Wenn unser Autor nachts die Tasse Instantkaffee entdeckt, die seine Partnerin für den nächsten Morgen bereitgestellt hat, denkt er über das Leben nach. Und über die Momente, in denen es nicht gut ist, wenn man genau das bekommt, was man sich wünscht.

Foto: Maurizio Di Iorio

Schmeckt, »als würde man an einem Stapel bren­nender Autoreifen vorbeigehen«, hat ein »gummi­artiges Aroma«, enthält »Bitterstoffe, die lange im Rachen hängen bleiben«, vermittelt »eine Ahnung von Asche«, verbreitet »metallische Aromen, nach denen Modelleisenbahnlokomotiven riechen«, hat »etwas Brotrinden­artiges« – so klingt es, wenn Kaffeesommeliers verschiedene Instantkaffees bewerten. Empfohlen wird am Ende jeweils die Sorte, die vom Geschmack frisch gebrühten Kaffees am wenigsten stark abweicht, aber eines sei klar: Sprüh­ oder gefriergetrocknetes Kaffeekonzentrat könne nie richtig gut, nur halt nicht total beschissen

Die andere ist, dass Nescafé, der lösliche Kaffee, den die Firma Nestlé vor 82 Jahren auf den Markt gebracht hat, mit einem Markenwert von mehreren Milliarden Euro seit Jahren zu den wertvollsten Marken der Schweiz gehört. Vor ein paar Jahren prahlte Nestlé damit, dass weltweit in jeder Sekunde 5500 Tassen Nescafé getrunken würden. Und weil man sich in einer Zeit, in der Menschen vehement über die Konsistenz einer Crema auf dem Espresso diskutieren, kaum vorstellen kann, wer das Zeug in

Manchmal wache ich nachts auf, wanke schlaftrunken in die Küche und durchsuche den Kühlschrank verzweifelt nach einem Stück Käse oder einem Joghurt. Nicht jedes Mal werde ich fündig, manchmal schleiche ich frustriert zurück ins Bett, aber auf eine Sache kann ich mich verlassen, und die ist auch schön: Neben dem Wasserkocher steht immer, wirklich immer eine Tasse Instantkaffee, bereitgestellt für den Morgen von der Frau, die ich liebe. Ich sehe diese Tasse mit dem trostlosen Pulver voller Schwebeteilchen auf dem

»Sorry«, meinte ich, »ist mir zu wässrig.« Wäre ich ein Sommelier, hätte ich gesagt: »Das hat mir zu wenig Körper.« Ich habe gelesen, dass Kaffee 800 erforschte Aromen hat, doppelt so viele wie Wein, und ein paar davon, also wenigs­tens zwei oder drei, hätte ich schon gern auf der Zunge. Trotzdem weiß ich, dass es Situationen im Leben gibt, die alles auf den Kopf stellen, dass es nicht gut ist, wenn ein Mensch immer genau das haben kann, was er

Vor Jahren habe ich mit einem Freund den Kilimand­scharo bestiegen. Klettertechnisch ist die Tour gar nicht so schwierig, aber ich war untrainiert, und jenseits von 4500 Metern wird die Luft wirklich dünn. Ich war erschöpft, mir wurde tagelang nicht warm, aus meiner Nase kam blutiger Rotz. Abends hockten wir vor dem Zelt, sieben Schichten Kleidung übereinander, umgeben von Geröll, über uns das ewige Eis. In der Hand hielten wir eine Tasse Instantkaffee. Es war der beste Kaffee meines Lebens.