»Wenn der Partner einen auf so einem Weg begleitet: Das gibt einem Urvertrauen« 

Ein Jahr nach seiner Hochzeit mit Michael wurde bei Benjamin Blutkrebs diagnostiziert. Geholfen hat ihm nicht nur die Chemotherapie – sondern auch die Currywurst-Lieferung und die Loyalität seines Mannes. Hier erzählen die beiden, was sie über die Liebe gelernt haben.

Michael (33) und Benjamin (39) auf dem Lago Argentino in Patagonien.

Foto: privat

Benjamin:
Vor der Diagnose haben Micha und ich nie über Krankheit und Tod gesprochen, danach aber in extrem vielen Facetten. Plötzlich musst du eine Patientenverfügung ausfüllen, eine Vorsorgevollmacht vorbereiten oder überlegen: Kennt der andere eigentlich meine Passwörter? Kann er auf mein Bankfach zugreifen?

Ich leide an einem Multiplen Myelom, einer Form von Blutkrebs. Die Diagnose bekam ich im Oktober 2018, bis Mitte Juli 2019 war ich in chemotherapeutischer Behandlung. Ich nehme diese Krankheit sehr ernst, habe aber auch von vornherein gesagt,

Ich konnte es von Anfang an nicht gut ertragen, wenn Leute um mich herum waren, bei denen ich das Gefühl hatte, ich muss sie stützen, weil sie so traurig sind. Aber mein Mann ist gut im Verdrängen. Ich

Wir sind jetzt seit sechseinhalb Jahren zusammen, das ist die längste Beziehung, die ich je hatte. Durch diese Krise hat sie nochmal eine ganz andere Tiefe bekommen. Wenn man sowas zusammen durchgemacht hat, wenn man merkt, der Partner

Ich muss nach wie vor täglich Tabletten nehmen und regelmäßig zur Blut-Kontrolle. Und es ist eigentlich eine sichere Bank, dass der Krebs irgendwann wiederkommt, man kann ihn aber wahrscheinlich auch dann wieder in den Griff kriegen. Mein Mann

Ich habe oft überlegt, wie es gewesen wäre, wenn Micha krank geworden wäre. Mal abgesehen davon, dass solche Gedanken immer sofort mit sehr tiefer Traurigkeit verbunden sind, bin ich mir nicht so sicher, ob ich so stark sein

Michael:
Als die Diagnose kam, rief Ben mich am Nachmittag auf der Arbeit an – und ich habe mich erst mal drei Stunden im Büro eingeschlossen. Ich wollte ihn nicht sehen und auch niemanden sonst, sondern musste das irgendwie erstmal in mich reinfressen. In so einer Situation weiß man ja anfangs gar nicht, was auf einen zukommt. Meine Schwiegermutter sagte mir: »Das wird jetzt eine ganz, ganz schwierige Zeit für euch.« Und ich antwortete: »Ich weiß – aber ich habe keine Ahnung, was das bedeutet.«

Weil wir keine Kinder oder pflegebedürftige Angehörige haben, konnte ich mich voll und ganz auf Ben konzentrieren. Mein Arbeitgeber war sehr kulant und hat direkt gesagt: »Wann immer was ist: Geh einfach, frag gar nicht erst nach!« Für

Unsere Familien und Freunde waren eine große Hilfe und ihre Unterstützung galt nicht nur Ben, sondern auch mir. Ich hatte darum nie das Gefühl, dass ich zu wenig Aufmerksamkeit bekomme. Und selbst wenn, ich hätte mich selbst dafür

Eine latente Angst um Ben hatte ich immer. Es gab Momente, in denen sie sehr akut wurde. Einmal musste Ben an zwei Abenden hintereinander, freitags und samstags, mit dem Notarztwagen ins Krankenhaus gebracht werden. Durch die Therapie hatte

Durch die Krankheit ist es plötzlich keine völlig abstrakte Möglichkeit mehr, dass Ben irgendwann nicht mehr da ist, sondern eine Option, mit der ich mich auseinandersetzen muss: Diese Beziehung ist etwas sehr Kostbares, das viel schneller als erwartet,

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