• 16. Oktober 2018
  • Kino

»Gerade für Männer wären gute Therapeuten Gold wert«

Vor zehn Jahren wurde die Schauspielerin Freida Pinto durch den Film Slumdog Millionär zum Hollywood-Star. Ein Gespräch über Frauen-Klischees und wie sie gelernt hat, sich zu wehren. 

»Mir geht es nicht darum, Männer zu verdrängen«, sagt Freida Pinto, die zu einer der wichtigsten Stimmen der neuen Frauenbewegung in Hollywood geworden ist.

Kleid und langer Ohrring von ALEXANDER MCQUEEN; andere Ohrstecker: privat.

SZ Magazin: Sie sind bald in Love Sonia zu sehen, einem Drama über eine junge Inderin, die in die Fänge der weltweiten Zwangsprostitution gerät. Das ist der erste wirklich indische Film, in dem Sie mitwirken. Slumdog Millionär spielte in Ihrer Heimat, war aber eine britische Produktion, ­Danny Boyle war der Regisseur.
Freida Pinto:
Das stimmt. Nun kehre ich auch mal beruflich nach Indien zurück, privat bin ich ja oft dort. Ich habe das Drehbuch zu Love Sonia vor elf Jahren erstmals gelesen. Die Geschichte hat mich damals schon sehr berührt. Aber heute, da ich mehr von der Welt gesehen habe und die Welt sich ­rasant verändert hat, bekommt der Film noch mal eine ­andere Dringlichkeit. Es geht für mich darin nicht nur um Frauenhandel, sondern auch um viele andere globale Themen, denen wir uns stellen müssen. Um die weltweite politische Apathie. Um mutige Frauen, die für ihre Rechte protestieren. Um Kinder, die von ihren Eltern getrennt werden. Dieser Film stellt die Frage: In was für einer Welt wollen wir leben? Und was für Anführer haben wir eigentlich? Sind sie für die Menschen da? Oder treibt sie nur die Machtgeilheit an? Tja, und um Machtmissbrauch beobachten zu können, muss ich nicht nach Hause­ nach Indien fliegen, den finde ich auch hier in Hollywood.

Sie sind zu einer wichtigen Stimme der #MeToo-Bewegung in Hollywood geworden. Sie engagieren sich in der Produktionsgesellschaft »We Do It Together«, die das Ziel hat, Schauspielerinnen, Regisseurinnen und Autorinnen zu unterstützen und im Betrieb sichtbarer zu machen.
In Zusammenarbeit mit Männern, das ist wichtig. Mir geht es nicht darum, Männer zu verdrängen. Ich will, dass wir ­endlich auf Augenhöhe miteinander arbeiten, nebeneinander. Dass wir die gleichen Jobs bekommen und gleich dafür ­bezahlt werden. Frauen müssen in Hollywood und an jedem anderen Ort dieses Planeten genauso gehört werden wie ­Männer. ­Stephen Colbert hat kürzlich gesagt: Die Frauen ­befinden sich jetzt im Krieg gegen die Männer. Und ja, so fühlt es sich für manche Männer bestimmt an, weil sie sichauf einmal mit ­unangenehmen Fragen beschäftigen müssen. Ich bin aber gegen ständige Schuldzuweisungen, und natürlich bin ich gegen haltlose Gerüchte über sexuelle Übergriffe, die im Zuge der Bewegung zum Teil an die Öffentlichkeit ­kamen. Es geht bei unserem Kampf um viel mehr als um schmutzige Wäsche. Es geht um Gerechtigkeit. Und ich finde es gut, wenn Männer, die sich bislang falsch verhalten haben, uns fürchten. Aber nur die, nicht alle Männer. Denn sonst kommen wir nicht weiter. Angst verhindert Ver­änderung.

Würden Sie auch sagen, dass Sie sich im Krieg befinden?
Nein. Aber seitdem ich denken kann, bin ich im Protestmodus.­ Und weil ich als Angehörige einer ethnischen Minderheit ins Filmgeschäft kam, habe ich mich auch in Hollywoodimmer so gefühlt, als müsste ich hart kämpfen, um gleichberechtigt behandelt zu werden. Nein, Herr Regisseur, diese dummen Sätze werde ich nicht in die Kamera sprechen! Nein, so will ich mich nicht kleiden! Nein, du weißt überhauptnichts über die Kultur, aus der ich stamme, also spar dir deine Kommentare! Krieg? Nein. Opposition? Oh ja!

Und trotzdem gehört viel Mut dazu, als Neuling in ­Hollywood nicht alles mitzumachen.
Ich habe nie einen Job verloren, weil ich aufmüpfig war. Aber zu Beginn meiner Karriere hat mein Herz noch heftiger geklopft, wenn ich gesagt habe: Stopp, das mache ich nicht!

Ein Beispiel?
Sie dürfen nicht unterschätzen, wie viele Klischees jede Frau hier darstellen soll. Bei einem Film etwa bestanden die Produzenten darauf, dass meine Figur ständig High Heels trägt. Ich sagte immer wieder: Hey, sie ist Wissenschaftlerin! Sie arbeitet viel draußen. Mit Tieren …

Ah, Sie reden von Planet der Affen: Prevolution.
Ja, also warum muss Caroline Aranha, so hieß die Wissenschaftlerin, High Heels tragen? Sexy an ihr ist doch, dass sie eine so ausgezeichnete Primatologin ist!

Was sagten die Produzenten?
Was die halt so sagen: Freida, hör zu, wir wollen einen Blockbuster verkaufen! Das ist frustrierend. Viele Produzenten ­haben ein zementiertes Bild davon im Kopf, wie Frauen auszusehen haben. Weil es nun mal immer schon so war.

Was haben Sie dann während der Dreharbeiten gemacht?
Ich ließ mir immer neue Ausreden einfallen: Meine Füße tun weh, ich brauche flache Schuhe, so was. Heute würde ich mich nicht mehr rausreden, sondern meinen Standpunkt klar machen: Was wollt ihr mir sagen, liebe Produzenten? Dass das Blockbuster-Publikum zu dumm ist für vielschichtige Frauenrollen? Die Leute verstehen nur Brüste und High Heels? Und heißt das dann, ihr macht dummes Zeug für ­dumme Leute? Ich will einfach daran glauben, dass Männer und Frauen im Kino das wahre Leben sehen wollen. Natürlich: fantastische Geschichten! Aber nicht nur Altherren­fantasien.

Verändert sich etwas in Hollywood?
In vielen Köpfen schon. Das Problem ist, dass große Filme, zum Beispiel die Tribute von Panem-Reihe oder der neue Star Wars-Teil, in denen die Frauenrollen stark und anders sind, nur alle paar Jahre kommen. Ich finde: Das muss doch normal sein! Frauen können in unserer Gesellschaft zum Glück längst alles sein. Warum nicht auch auf der Leinwand? Heute Morgen war ich im Nagelstudio. Da kam eine Siebzehnjährige rein, sie sah asiatisch aus, also wahrscheinlich eine Amerikanerin mit Migrationshintergrund, aber das ist ja egal, wichtiger ist: Sie war überall tätowiert und trug ein Skateboard unter dem Arm. Alle Frauen im Raum starrten sie begeistert an. Wir dachten nicht: Wow, eine Asiatin. Sondern einfach nur: Wow, wie cool die ist! Wieso ist es so schwer für Drehbuchautoren, Produzenten und Regisseure, sich eine diverse, bunte Welt ­vorzustellen und die ewigen Klischees zu überwinden?

Ja, wieso?
Sie haben Angst, dass sich ihre Arbeit nicht verkauft. Angst vor allem, was nicht nach Mainstream aussieht. Dann kommt ein Hit wie Black Panther und beweist, dass man auch einen Blockbuster fast nur mit schwarzen Hauptdarstellern machen kann. Aber die Angst bleibt. Es ist nun mal ein weißes, männliches Geschäft.

Fürchten diese weißen Männer um die Macht, die sie ­verlieren könnten?
Weiß ich nicht. Aber nach allem, was ich von Freunden und Kollegen höre, haben alle Männer das intuitive Bedürfnis, der Ernährer zu sein und alles unter Kontrolle zu haben. Sobald ihre Partnerin aufholt oder sie überholt, fühlen sie sich un­sicher. Die entscheidende Frage ist: Wie werden Jungs zu Männern erzogen? Lasst uns nicht nur die heute Vierzigjährigen kritisieren, sondern auch überlegen: Was für Jungs waren das? Jungs bekommen bis heute suggeriert, sie seien nur stark, wenn sie alles im Griff haben. Wenn wir die Zukunft verändern wollen, müssen wir den Jungs neue Ideen von Männ­lichkeit geben. Und den Mädchen neue Ideen von Weiblichkeit.

Sie träumten schon als Kind davon, Schauspielerin zu ­werden. Später wurden Sie in unzähligen Castings abgelehnt und arbeiteten zunächst als Model, vor allem in der Werbung. Sie mussten sehr geduldig sein.
Ich musste lernen, geduldig zu sein. Auch nach Slumdog ­Millionär. Ich hatte diesen riesigen Traum, eine international erfolgreiche Schauspielerin zu sein. Und als der Traum endlich in Erfüllung ging, war ich nicht glücklich, sondern gestresst. Die ­Dinge passierten so schnell. Noch schlimmer: Dann ­wurde es wiederum auf einen Schlag langsamer. Wo sind die ­nächsten zehn Filmrollen? Warum kriege ich nicht mehr ­Angebote? ­Warum gebe ich nicht weiter jeden Tag ein Interview? Mich an die ­Verlangsamung zu gewöhnen, war schwieriger, als mich dem plötzlichen Star-Dasein anzupassen.

Ist es eine doppelte Hürde, eine Frau indischer Abstammung in Hollywood zu sein?
Für mich fühlt es sich nicht mehr so an, weil ich es geschafft habe, die richtigen Leute zu finden, die genau wissen, was ich will. So kann ich die Arbeit machen, die ich wirklich möchte. Aber dafür musste ich kämpfen. Vor fünf Jahren wollte ich ­anfangen, mehr Fernsehrollen zu spielen. Ich ging zu vielen Treffen, und danach kam es oft vor, dass Produzenten meine Agentin anriefen und verwirrt fragten: Freida war toll, aber sie sagte, sie wolle nicht nur Inderinnen spielen! Was meint sie denn damit? Sie ist doch Inderin! Darauf kann ich nur sagen: Ja, ich bin stolz, Inderin zu sein. Aber ich will deswegen in keiner Schublade stecken! Ich bin auch sehr froh, dass die dümmliche Figur von Apu, dem Inder bei den ­Simpsons, zu ­einer breiten öffentlichen Diskussion über Rassismus geführt hat.

In Hollywood sind Sie bis heute eine Außenseiterin. Und in Indien gelten Sie eher als Hollywood-Schauspielerin denn als indischer Star.
Ich bin in allen Welten eine Außenseiterin. Ich will aber auch gar nicht irgendwo reinpassen. Ich wollte immer auf die globale Bühne. Auf meinem Gesicht steht nun mal groß und breit: ­INDERIN! Ich will das nicht verstecken. Ich will nur zeigen, dass auch eine Inderin viele Facetten haben kann.

Sie leben seit fast sieben Jahren hauptsächlich in Los ­Angeles. Wie gern sind Sie in Zeiten von Donald Trump noch in den USA?
Momentan zwinge ich mich dazu, daran zu glauben, dass ­unter dieser Regierung auch etwas Gutes passiert. Denn viele Amerikaner stehen auf und versuchen, sich politisch zu wehren. Ich bin in einer Zeit aufgewachsen, in der die westliche Welt es sich gemütlich gemacht hatte, sehr viele Menschen dachten, es ginge schon einfach irgendwie weiter, man müsse sich nicht engagieren, die Geschichte sei vorbei. Und dann: Booom! Trump! Klimawandel-Leugner! Massive Flüchtlingsbewegungen! Rassismus! Gut und Böse bedingen sich gegenseitig. Viele Jahre lang sah es so aus, als würden viele Gesellschaften fortschrittlicher. Das nährte den Hass der rückschrittlichen Kräfte. Jetzt scheint das Böse überhandzunehmen, und die Progressiven müssen sich formieren.

Mit welchem Bild von der Welt wuchsen Sie in den ­Achtziger- und Neunzigerjahren in Mumbai auf?
Überall war Hass. Vor allem zwischen den Religionen. Ich war acht Jahre alt, als sich bei den »Bombay Riots« Hindus und Muslime bekämpften. Uns wurde erklärt, dass alle Männer und Jungs in der Nachbarschaft mit Stöcken und Flaschen ­bewaffnet werden, falls wir überfallen werden. Tagelang konnten wir das Haus nicht verlassen. Bomben explodierten. Ich wurde in einem toxischen Umfeld groß. Auf meinen Reisen durch alle Kontinente habe ich mittlerweile gelernt, dass der Hass überall lodern und aufflammen kann. Aber dass jeder einzelne Mensch jederzeit die Möglichkeit hat, sich gegen Hass und für Liebe zu entscheiden.

Sie entstammen einem katholischen Elternhaus, das Sie als sehr warmherzig beschreiben.
Ja, das war ein wichtiger Kontrast zu den Verhältnissen vor unserer Haustür. Ich habe sehr liebende Eltern, die immer zu mir gehalten haben. Auch als meine Sicht auf die Welt sich fundamental von der Sicht meiner Eltern unterschied. Sie hatten sicher andere Ansichten, etwa zur Religionsfreiheit oder zur Homo­sexualität, aber sie versuchten nie, mir fixe Glaubenssätze einzuimpfen. Das hat nur die Kirche versucht.

Wie oft mussten Sie früher in die Kirche?
Jeden Sonntag. Ich habe selbst irgendwann Jugendgruppen in der Kirche geleitet.

Und wie oft gehen Sie heute noch in die Kirche?
Einmal im Jahr. Mit meinen Eltern, um ein paar Weihnachtslieder zu singen. Ich liebe den Papst, weil er für die richtigen Werte steht. Ich teile bis heute viele Grundgedanken der katholischen Kirche, die Gemeinschaft, die Fürsorge, die Mitmenschlichkeit. Aber ich habe in der Kirche als Mädchen und junge Frau so viel Engstirnigkeit und Ignoranz erlebt, dass ich mich davon abwenden musste. Ich weiß noch, wie ein Priester uns er­klärte: Homosexualität ist zum Glück bei den­ armen betroffenen Sündern eine Phase, die vorübergeht. Und ich dachte damals schon: Wollt ihr mich verarschen?

Gab es einen Erweckungsmoment für Sie? Einen Tag, an dem Sie Ihren Eltern verkündeten, dass Sie nicht mehr ­mitmachen?
Das war eher ein natürlicher Prozess. Ich widersprach von früh auf. Meine vier Jahre ältere Schwester war ein wichtiges Vorbild für mich. Sie hatte bereits angefangen zu rebellieren. Sie studierte Psychologie, brachte neue Ideen nach Hause und zeigte mir: Bildung ist die wichtigste Waffe gegen Ungerechtigkeit. Ich merkte schnell, dass uns auf der katholischen Schule nur die halbe Wahrheit präsentiert wurde. Und dagegen protestierte ich. Warum zur Hölle mussten wir katholischen Schüler in der Bibelklasse noch mehr über die Bibel lernen, und die Schüler anderer Konfessionen sprachen im Ethikunterricht über Moral und ­Empathie? Lieber wollte ich da mitmachen. Im Bibelunterricht schlief ich nur.

Gab das Ärger?
Ständig. In der achten Klasse brachte ich meine Mitschüler dazu, dagegen zu protestieren, dass wir in der Bibliothek keine Bücher der Jugendbuchautorin Judy Blume bekamen. In ihren Büchern ging es um Mut und Rassismus. Warum wurde uns das vorenthalten? Es gab noch kein Internet, aber gesunden Menschen­verstand, und ich wusste: Das ist nicht fair! Kinder haben einen starken Sinn dafür, was richtig und was falsch ist, aber sie brauchen auch ein fruchtbares Umfeld, in dem dieser Sinn wachsen kann, und das war mein Zuhause definitiv. Erstvor Kurzem habe ich in Brooklyn übrigens eine freie Kirchebesucht. Da waren ­Angehörige aller Religionen, mir gefiel der Gottesdienst sehr. Klar, es ging auch da oft um den heiligen Jesus, aber noch um viel mehr: um Zusammenhalt. Der Pastor fragte, wer von den Anwesenden aufstehen wolle, um von seinen tiefsten und traurigsten Sorgen zu berichten. Und viele öffneten sich. Weil sie ­keine Angst haben mussten. Weil die Kirche sich dort anfühlte, als würde sie dich stärker, nicht kleiner machen. Das war wunderschön. Zum ersten Mal war mir während eines Gottesdienstes nicht langweilig. Ich habe zwei Stunden lang geweint.

Was für ein Verhältnis haben Sie heute zu Ihren Eltern?
Ein extrem enges. Sie hatten bestimmt große Ängste, als sie mich in die weite Welt ziehen ließen. Sie sind beide sehr traditionell und konservativ aufgewachsen. Ich weiß nicht, woher ihr Mut kam. Sie reden bestimmt viel über mich und beten sicher auch viel für mich. Aber sie ließen mich ihre Ängste nie spüren. Ich kann tun, was ich will, und weiß, dass meine Familie immer für mich da sein wird.

Sie haben mal gesagt, dass Sie das Modeln nie mochten, als Sie es hauptberuflich ausgeübt haben. Warum haben Sie trotzdem weitergemacht?
Na, wegen des Geldes. Und weil ich wusste, dass es eine Eintrittskarte zu etwas Neuem sein könnte. Ich wollte auf einer Bühne performen, meine Gefühle und Gedanken darstellen. Beim Modeln stellte ich aber nur die Gedanken und Produkte anderer dar. Von Models will niemand eigene Gedanken hören. Ich wartete auf den Durchbruch und wusste, dass ich aus dem Modelgeschäft raus muss, wenn ich mein Hirn und meine Seele nicht dauerhaft schädigen will.

Was taten Sie, um in diesem Umfeld zurechtzukommen?
Wenn das Shooting vorbei war, verschwand ich. Heute hänge ich nach der Arbeit gern mit dem ganzen Team ab, aber damals versteckte ich mich im Hotel, las ein Buch oder tele­fonierte mit meiner Schwester. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich habe großen Respekt vor Models, und das Geschäftist heute auch offener geworden. Aber für mich war es nichts, ich verkümmerte. Dann bekam ich das Angebot, als Fernsehmoderatorin eine Reisesendung zu übernehmen. Das war meine Rettung. Ich durfte die Welt entdecken und mit echten Menschen sprechen. Es waren tolle neun­ Monate. Ich kam sogar nach Afghanistan, mitten im Chaos. Endlich lernte ich etwas, statt nur etwas zu verkaufen.

Am Anfang Ihrer Hollywood-Karriere, sagten Sie mal, waren Sie zu sehr abhängig von der Meinung anderer. Wie haben Sie gelernt, auf sich selbst zu hören?
Indem ich angefangen habe zu definieren, was Erfolg für mich persönlich bedeutet. Hier geht es oft um Summen und Zahlen. Ich habe bei Weitem nicht die meisten In­stagram-Follower und war auch schon lange nicht mehr an einem echten Kassenschlager beteiligt. Trotzdem fühle ich mich so erfolgreich wie nie. Der ganze Fake interessiert mich einfach nicht mehr. Ich musste verstehen, dass ich mich zu viel mit anderen verglich. Je mehr ich mich in ­dieser nutzlosen Scheinwelt verlor, desto unglücklicher war ich. Es war paradox: Ich hatte Erfolg, ich hatte mehr Geld, als ich je erwartet hatte, aber zugleich war ich so selbst­kritischwie nie zuvor. Permanent hatte ich das Gefühl, nicht zu genügen oder nicht genug zu machen. Das war nicht mehr die Fünfjährige, die von der Kinoleinwand träumte. Ich fand zum Glück wichtige Freunde. Und eine gute Therapeutin. Die Bedeutung von Psychotherapien sollte viel mehr anerkannt werden. Gerade für Männer wären gute Therapeuten Gold wert.

Sie haben also gelernt, alles etwas lockerer zu nehmen?
Die unwichtigen Dinge. Die oberflächlichen. Die schweren Dinge nehme ich mir weiter zu Herzen. Trump nehme ich nicht locker, keine Sorge. Was ich im Persönlichen vor allem gelernt habe: dass nichts von Dauer ist. Nichts ist fürimmer. Nichts ist konstant. Kein Erfolg. Kein Misserfolg. Keine Beziehung. Nur der Wandel ist konstant. Wenn du das weißt, spürst du weniger Druck.

Aber ist es nicht unglaublich schwer, in mitten dieser Hollywood-Blase so entspannt zu bleiben?
Es ist eine tägliche Prüfung in Meditation. Hier herrscht nur Lärm. Davon darf man sich nicht ablenken lassen. ­Jemand aus dem Geschäft sagte mir ganz am Anfang: Die Paparazzi werden dich abschießen! Alles, was du tun kannst, ist zu wissen, wie du deine innere Mauer hochfährst. Schau, dass du sicher bist. Es ist in Hollywood wie im Flugzeug: Ziehen Sie zuerst die eigene Sauerstoffmaske über und helfen Sie erst dann Mitreisenden. Nur wennes mir gut geht, kann ich auch für andere da sein. Viele Frauen fühlen sich aber noch schuldig, wenn sie zuerst an sich selbst denken. Das hat wieder mit der Erziehung zu tun. Und diese Botschaft will ich an alle Frauen verbreiten: Ihr seid wichtig, kümmert euch auch um euch!