Mist! Scheiße! Dreck! Darum tut Schimpfen so gut

Schimpfwörter und Flüche gelten als anrüchig, haben aber, wie die Forscherin Oksana Havryliv erklärt, oft einen großen psychologischen Nutzen – wenn man eine wichtige Voraussetzung beachtet.

Foto: Getty Images / Frank Herholdt

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Viele Menschen sind bemüht, sich im Alltag möglichst friedlich und gelassen zu präsentieren, die Schimpftirade ist eher verpönt. Zu Recht?
Oksana Havryliv:
Das hängt von der Sichtweise ab. In der Sprachwissenschaft wird verbale Aggression tatsächlich durchgehend negativ bewertet – weil man ihr in erster Linie eine schädigende Absicht zuschreibt, also die Adressatin oder den Adressaten zu kränken. In der Psychologie, Psychiatrie und der Psychoanalyse ist das anders, da sieht man die verbale Aggression als ein produktives Phänomen, und genau das haben meine eigenen Forschungsarbeiten bestätigt. Demnach liegt die mit Abstand wichtigste Funktion des Schimpfens im Abreagieren von negativen Emotionen, und das ist in der Regel etwas Gutes.