»Sie können nicht nur funktionieren und Leistung bringen«

Viele Menschen haben Probleme mit ihrem Selbstwert, weil sie Misserfolgen und Kritik zu viel Raum geben. Die Psychotherapeutin Friederike Potreck erklärt, wie man wohlwollender mit sich selbst wird – und warum dies das Leben so viel besser macht.

Muße und Nichtstun sind wichtig für die Regeneration.

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SZ-Magazin: Die Hollywood-Schauspielerin Lucille Ball sagte: »Liebe dich zuerst, alles andere wird sich ergeben.« Hatte sie Recht?
Friederike Potreck: Es gibt den Spruch: »Du musst erst dich selbst lieben, um andere lieben zu können.« Der gefällt mir etwas besser. Denn wie wollen Sie andere Menschen lieben, wenn Sie sich selbst nicht positiv zugewandt sind? Obwohl es auch recht viele Menschen gibt, die sehr wohlwollend mit anderen sind, mit sich selbst aber gar nicht.

Warum fällt es vielen Menschen so schwer, sich selbst zu akzeptieren?
Ich hole etwas aus: Selbstakzeptanz und ein starker Selbstwert sind total attraktiv. Sie versprechen uns inneren Frieden, Ruhe, Gelassenheit und all jene positiven Eigenschaften, von denen wir überzeugt sind, dass sie das Leben leichter machen. Und es gibt viele wissenschaftliche Untersuchungen, die einen Zusammenhang zwischen hohem Selbstwert und beruflichem oder sportlichem Erfolg, Zufriedenheit in der Familie, sozialer Anpassung und so weiter belegen. Das ist das eine. Das andere ist, dass es viele äußere und innere Faktoren im Leben gibt, die den Selbstwert bedrohen.