Das Siegen über sich selbst

Im Spitzensport werden Spiele vor allem im Kopf entschieden, heißt es. Was das bedeutet, zeigt beispielhaft die Geschichte von Angelique Kerber: Sie hat es im Tennis nach ganz oben geschafft, obwohl sie so sehr an sich zweifelte. 

Angelique Kerber, erste deutsche Wimbledon-­Siegerin seit Steffi Graf.

Da gewinnt sie Wimbledon, sinkt auf den Rasen und bleibt auf dem Rücken liegen, die Hände vorm Gesicht, weil sie weinen muss. Am Samstag, dem 14. Juli 2018, erfüllt sich für Angie Kerber ein Lebenstraum. Sie müsste von allen beneidet oder beglückwünscht werden. Aber in das Lob mischt sich Kritik, wie so oft bei ihr.

Angie Kerber verdirbt Serena Williams das »Mum-back«, mault die englische Presse, und zwar »eiskalt«. Sie ist »die Art von Spielerin, die einen Bus auf der Grundlinie parkt«. Oder: »Die Vorhand kommt wie mit einer Bratpfanne geschlagen.« Und die Washington Post schreibt: »Nichts gegen Angelique Kerber, die eine große Meisterin ist, aber Kerber spielte nur gegen einen Gegner. Williams spielte gegen viele von ihnen, einschließlich Natur und Zeit.« Angie Kerber, eigentlich Angelique, aber alle sagen und schreiben Angie, hat es schwer mit der Öffentlichkeit. Selbst wenn sie gewinnt, wird gemäkelt. Zu defensiv. Schwacher Aufschlag. Gute Konterspielerin, toller Kampfgeist, aber keine, die das Spiel macht, sondern eine, die den Fehler der Gegnerin erarbeitet. »Angie zittert sich weiter«, heißt es dann. Verliert sie, werden die Schlagzeilen herablassend: »Die verzagte Nummer eins.«

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