»Zugegeben, da habe ich recht großzügig gerechnet«

Darf man als Freiberufler Corona-Soforthilfe vom Staat beantragen, obwohl es anderen Selbstständigen durch die Krise deutlich schlechter geht? Man darf. Trotzdem sind viele verunsichert – oder haben ein schlechtes Gewissen. Fünf Betroffene erzählen.

Der Antrag auf Soforthilfe wird gerade meist schnell bearbeitet – und ist ungewohnt unkompliziert. 

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Es klingt fast zu schön, um wahr zu sein. Vier Seiten Papier, ein paar Kreuzchen an der richtigen Stelle, und los geht’s: »Ich beantrage die größtmögliche Soforthilfe.« Was sonst viel Zeit und Nerven kostet – einige tausend Euro vom Staat überwiesen bekommen – geht jetzt so einfach, dass man sich die Augen reibt.

Wir, die Autor*innen dieses Textes, arbeiten als freier Journalist und freie Autorin in Leipzig – und wie viele andere Selbständige stellt uns das Coronaviruse vor existenzielle Fragen und Probleme: Dutzende Aufträge sind weg, Lesungen wurden abgesagt, Interviews und Podien auf unbestimmte Zeit vertagt. Gleichzeitig laufen die Kosten wie Büro- und Wohnungsmiete weiter.

Die staatlichen Gelder sollen gerade Freiberuflern durch die Pandemie helfen. Offiziell scheint also alles klar. Doch während die Seite der sächsischen Aufbaubank, die in Leipzig fürs Geldverteilen zuständig ist, immer wieder zusammenbricht, melden sich erste Zweifel: Ist es überhaupt in Ordnung, wenn man jetzt die Hand aufhält? Gibt es nicht Selbständige, die das Geld viel nötiger brauchen?

Schreiben kann man schließlich immer noch. Wir haben keine Angestellten, die weiter ihre Gehälter bekommen müssen. Keine teuren Geschäftsräume, die nun wochenlang leer stehen. Die Aufträge sind nicht einmal komplett gestrichen – sie sollen nachgeholt werden, zumindest teilweise, irgendwann.

Und überhaupt: Regte man sich nicht gerade erst über die großen Konzerne auf, weil sie nach zwei Wochen Ausnahmesituation aufhörten, Miete zu zahlen? 

Jetzt, wo auch kleine

Ich bin Teil von

Für mich sind die

Mich ärgert die Ungleichbehandlung, die sich in den Soforthilfen zeigt. Während Angestellte ganz regulär ihr Kurzarbeitergeld bekommen, dürfen wir Selbständige die Soforthilfen offiziell nur für Betriebsausgaben aufwenden. In Berlin war das am Anfang anders, da durfte man das Geld auch für Lebenshaltungskosten einsetzen. Inzwischen hat sich das geändert – wer, wie ich, zu spät den Antrag gestellt hat, muss sich darauf gefasst machen, einiges zurückzuzahlen. Ich habe mich jetzt einer Petition angeschlossen, die sich dafür einsetzt, diesen Missstand zu beheben. Wir fordern rechtsverbindliche Sicherheiten für Freiberufler wie mich. Ich habe jetzt ungefähr drei Nettogehälter überwiesen bekommen, das ging schnell und dafür bin ich auch dankbar. Soweit ich weiß, darf ich dieses Geld aber nicht für Wohnkosten und Krankenkasse verwenden. Dabei laufen diese Kosten ja auch bei mir weiter - und ich bin, wie alle anderen, ob sie jetzt bei VW am Band arbeiten oder beim Staat beschäftigt sind, unverschuldet in diese Situation gekommen. Natürlich, man kann einfach die maximale Summe von 9000 Euro angeben und ist fein raus. Dann hat man aber betrogen. Das ist für mich keine Option. Ich will dieses Geld nur haben, wenn damit alles in Ordnung ist.

In meinen Augen zeigt

Der Antrag war leicht zu verstehen und es ging superschnell. Montag habe ich das Ding abgeschickt, Donnerstag war die Kohle da. Aber ich habe große Bedenken und rühre das Geld so lange es irgendwie geht nicht an.

Die Bedingungen drumherum sind

Für meinen Lebensunterhalt müsste

In dem Antrag musste

Ein Freund von mir,

Mein Café in der Nähe des Deutschen Museum ist seit dem 18. März geschlossen. Noch am gleichen Tag habe ich Soforthilfe beantragt und von der Stadt München 7500 Euro erhalten. Mit diesem Geld konnte ich die März-Gehälter für meine insgesamt 13 Angestellten auszahlen – und die Miete für April. Dafür bin ich extrem dankbar. In der Gastronomie machen wir zwar einiges an Umsatz; die Margen sind aber so gering, dass kaum jemand große Ersparnisse hat. Im Moment arbeite ich ganz alleine, betreibe mein Café als Onlineshop und liefere die Waren mit dem Lastenfahrrad aus. Damit mache ich zwar auch kaum Gewinn, aber zumindest halte ich den Kontakt zu den Kunden und bin selber beschäftigt. Vier meiner Angestellten sind in Kurzarbeit, die anderen – Werkstudenten und Minijobber – bekommen gar nichts. Das ist natürlich überhaupt nicht gut. Und auch für diejenigen, die jetzt Kurzarbeitergeld bekommen, ist es schwierig. In der Gastronomie sind 60 Prozent des Nettogehalts eine gewaltige Kürzung, weil auch die Trinkgelder wegfallen. Man bekommt also nur etwa 30 Prozent von dem, was man sonst erhält.

Meine Soforthilfe ist vor

Im Moment habe ich

Es gibt in jeder Krise Verlierer und Gewinner. Und ich weiß, dass ich am Ende als Gewinner dastehen möchte. Vor wenigen Monaten habe ich mich mit einem kleinen Laden selbstständig gemacht. Das Geschäft war gerade angelaufen, als ich jetzt wegen Corona schließen musste. Online verkaufe ich nach wie vor noch ein bisschen was, aber der Laden ist zu. Die viele Freizeit nutze ich jetzt vor allem für Sport.

Ich habe einen Mitarbeiter,

Es hängt natürlich viel