Die Trumpsekunde

In Frankfurt wurde nun die kürzeste je gemessene Zeiteinheit ermittelt. Es geht aber noch kürzer, glaubt Axel Hacke mit einem Blick nach Washington.

Illustration: Dirk Schmidt

Wie allgemein bekannt, gibt es einen Unterschied zwischen der gemes­senen und der gefühlten Zeit. Ein Jahr ist im Kalender immer ein Jahr, es hat zwölf Monate beziehungsweise 365 Tage (nur alle vier Jahre 366, aber was macht das schon?). Doch das Jahr vor dem 16. Geburtstag ist im Zeitempfinden eines Menschen in der Regel soooo uneeeendlich viiiiel länger als das, sagen wir, zwischen 36 und 37 – warum eigentlich? Weil es ein Jahr des Wartens ist, auf die Freiheit, die

Nehmen wir an, ein Mensch wird achtzig Jahre alt. Unter rein kalendarischen Gesichtspunkten ist die Hälfte seines Lebens mit vierzig erreicht. In Wahrheit aber (denn die empfundene Zeit ist die eigentlich wahre Zeit) liegt die Lebensmitte schon bei etwa zwanzig Jahren. Robert Southey, zu Leb­zeiten ein bekannter englischer Dichter, schrieb: »Egal, wie lange du lebst, die ersten 20 Jahre deines Lebens sind der längste Teil deines Lebens. Sie erscheinen so lang, während sie vergehen; sie scheinen so gewesen zu sein,

Warum? Ich schätze, es liegt erstens daran, dass die Jugendjahre, wie gesagt, Wartejahre sind (auf das Christkind, ein Fahrrad, die Einschulung, den ersten Kuss). Zweitens hat es damit zu tun, dass fast alles, was man ­erlebt, neu ist, während einem später das meiste­ bekannt vorkommt; man lässt es also ein wenig gelangweilt vorüberziehen.

Die kürzeste Einheit der gefühlten Zeit ist der Augenblick, in dem der Mensch, dem Verrinnen der Jahre ausgeliefert, heute gewöhnlich Rettung sucht. Genieße den Augen­blick, denn der Augenblick ist dein Leben mahnt es von Teetassen und aus Spruchsammlungen, von Kalendern und Duftkerzen. »Alles Göttliche auf Erden ist ein Lichtgedanke nur«, schrieb Schiller in Die Gunst des Augenblicks.

Was nun die winzigsten Teile gemessener Zeit angeht, so bewegte man sich früher im Bereich der Attosekunde, dem Milliardstel einer Milliardstelsekunde. Anders ausgedrückt (in den Worten des

Was aber ist kürzer als die Zeptosekunde? Da gibt es meines Wissens noch die Trumpsekunde, aber die konnte man bisher nicht mal am Quarkteilchenbeschleuniger der Volkshochschule Bad Schwürbelbach feststellen: Eine Trumpsekunde ist die maximale Aufmerksam­keitsspanne des US-Präsidenten. Entsprechen­deMessungen blieben erfolglos, man hätte dazu Laserstrahlen benötigt, die aber beim Experiment auf rätselhafte Weise einfach erloschen.

Übrigens ist man am Bad Schwürbelbacher Lehrstuhl für Theorie und Praxis des menschlichen Zeitgefühls nicht nur der kürzesten je gemessenen Zeitspanne auf der Spur, sondern auch dem