Gehirn auf Sparprogramm

Erstaunlich, wie schnell man sich in Coronazeiten an manche Dinge gewöhnt – selbst an das rituelle Nasenbohren.

Illustration: Dirk Schmidt

Bruno, mein alter Freund, war zu Besuch. Wir saßen am Küchentisch, das Abendessen stand im Ofen, vor uns befanden sich Kleinigkeiten, Oliven, Käse, Kapernäpfel auf einem Teller. Bevor Bruno die Küche betreten hatte, hatten er, Paola und ich uns in verschiedene Zimmer begeben, Wattestäbchen in die Nasen eingeführt und … Gehört dies nicht zu den mächtigsten Veränderungen des sozialen Lebens? Dass der Begrüßung des Gastes (an sich nun schon ein so sensationelles wie angstbesetztes Ereignis) rituelles Nasenbohren in getrennten Räumen

Jedenfalls: Bruno war clean, wir auch, und nun, wie gesagt: der Tisch, die Kapernäpfel … Bruno fasste einen von ihnen am Stiel, führte ihn gesichtswärts und sagte plötzlich, ein resigniertes Lächeln auf den Lippen, er sei tatsächlich für einen Moment versucht gewesen, sich den Kapernapfel in die Nase zu stecken, rein aus Gewohnheit.

Mich erinnerte das an jene Jahre, in denen unsere jüngste Tochter am besten einschlief, wenn man den Kinderbuggy, in dem sie saß, mit einer Hand hin und

Routinen seien Sparprogramme des Gehirns, habe ich gelesen. Man muss über dies und jenes nicht nachdenken, man tut es einfach. Aber es dauert, bis sich etwas abspeichert,

Vor einem Jahr gab es Leute, die für die Zeit nach der Pandemie eine neue Welt vorhersagten: genügsamer, bescheidener, rücksichtsvoller, voller Einsicht in die Notwendigkeiten. Da bin

Allerdings mache ich mir darüber nicht viele Gedanken. Was die Zukunft angeht, so glaube ich nur noch Leuten, die schriftliche Nachweise vorlegen können, dass sie vor fünf

Der Mülleimer in unserer Küche befindet sich in einer Schublade unter der Spüle. Man öffnet sie mit einem Kick gegen einen Hebel ganz unten. Auch die Schmutzwäsche

Bruno schickte ein Foto. Ein Mann steht vor dem kleinen gelben Kasten, mit dem man eine Fußgängerampel bedienen kann. Wer legt seine Hand noch auf diese Dinger?

Der Mann hielt sie ein paar Zentimeter darunter, als sei sie ein Spender für Desinfektionsmittel.