Das Beste aus meinem Leben

Listen sind ja groß in Mode. Fing das mit Focus an? Oder war es Nick Hornby, der seinen Roman High Fidelity gleich mit einer Liste begann: »Die ewigen Top Five meiner unvergesslichsten Trennungen…«?Jedenfalls sind die Läden voll mit Büchern wie Schotts Sammelsurium, in dem man sich über merkwürdige Tode burmesischer Könige ebenso informieren kann wie über die Ehemänner Elizabeth Taylors. Oder nehmen wir Christoph Biermanns Fast alles über Fußball! Hier erfährt der Leser die Zahl der Bundesligaspieler mit Schnauzbart für jedes Jahr seit 1977 (zurzeit gibt es keinen einzigen, aber 1985 waren es 162), und er lernt, dass alle lettischen Meisterschaften seit 1991 der gleiche Klub gewonnen hat, Skonto Riga.Ich möchte nicht länger beiseite stehen. Hier die derzeit besten Listen aus meinem Leben.1.) Ungewöhnliche Orte, an denen ich Zeitungstexte verfasste:– Herrentoilette in Sarajewo 1984– Spukschloss in Turnberry, Schottland 1986– Fahrersitz eines Trabant in Ost-Berlin 19902.) Dringende Arbeiten, die ich nach Paolas Meinung vor Monaten hätte erledigen müssen:– Keller aufräumen– Reparatur der linken Tür des Schlafzimmerschranks3.) Studentenjobs, an die ich mich erinnere:– Verkäufer im Karstadt-Jeansshop– Verkäufer in der Horten-Teppichabteilung– Mitglied der Jury in einer ZDF-Quizsendung, deren Kandidaten jugendliche Strafgefangene waren– Schneeschippen auf dem Dach eines Supermarktes in Miesbach– Lieferwagenfahrer für Kunststoffteile in den Werkstätten des Zuchthauses Stadelheim – Karteikarten-Archivar in einer Industrie- und Handelskammer4.) Zähne, an denen ich nie Karies hatte: eins-eins, eins-drei, zwei-eins, zwei-drei, zwei-vier, drei-eins, drei-zwei, drei-drei, drei-vier, vier-eins, vier-zwei, vier-drei, vier-vier.5.) Alte Blechdosen, die ich sehr liebe:– Zigarettendose »Stürmer – die Sportzigarette«– Merz’ Erfrischungscigarette. (Sie bietet laut Aufschrift u.a. folgenden Vorteil: »Infolge besonderen Herstellungsverfahrens (D.R.-P.ang.) desinfiziert ihr Rauch die Mundhöhle, ersetzt also die nach jeder Mahlzeit nötige Zahn- und Mundreinigung.«)– Zigarettendose »Casanova Hausorden«– Avo-Wurstgewürzmischung: »Avo… Wer damit würzt, sagt bravo«6.) B chstaben, die ich n ch he te Abend drin end im B chstaben eschäft m die Ecke einka fen m ss, weil sie mir a s e an en sind: u, o, g.7.) Interessante Fantasiegestalten, die mir in diesem Jahr durch Leserbriefe bekannt wurden:– Frau Bandanan: Frau R.-K. aus München schreibt, sie habe 1944 oft einen Schlager gehört, dessen Text sie so verstand: »Küss mich, bitte, bitte küss mich, wenn die Bandanan kommt, muss ich ja nach Hause…« Sie stellte sich eine Art Gouvernante namens »Bandanan« vor, deren Obhut die Sängerin anvertraut war, bis sie, Frau R.-K., den Text richtig kapierte: »Küss mich, bitte, bitte küss mich, wenn die Bahn dann ankommt, muss ich ja nach Hause…«– Der Wiswas: Frau S.-W. aus Esslingen berichtet, ihre Tante habe erzählt, in ihrer Kindheit Lasst uns froh und munter sein stets so gesungen zu haben: »Dann stell ich den Teller auf, Niklaus legt den Wiswas drauf.« Immer blieb der Wiswas unsichtbar und später begriff das Mädchen, dass es hieß: »Dann stell ich den Teller auf, Niklaus legt gewiss was drauf.«– Karl-Heinz von der Reeperbahn: Frau S. aus Braunschweig schreibt, sie werde bis heute von einem Verhörer verfolgt, der Hans Albers’ Auf der Reeperbahn entstammt. Sie hörte immer: »Auf der Reeperbahn nachts um halb eins, ob du’n Mädel hast oder Karl-Heinz…« In Wahrheit hieß es »ob du’n Mädel hast oder hast keins«. Aber sie fragte sich immer, wer Karl-Heinz sei, offensichtlich ja eine bekannte Reeperbahn-Figur. Und wie es um dessen sexuelle Orientierung bestellt sei.8.) Zu Recht in Vergessenheit geratene Rezepte aus Bosch-Betriebsanleitungen der fünfziger Jahre:– Tunke aus Moskau: Unter 1/4 Liter Mayonnaise behutsam 1 Esslöffel deutschen Kaviar rühren und mit einem Schuss Weinbrand abschmecken.– Bierkaltschale: 1/2 Liter Bier mit dem Saft einer Zitrone, etwas Zucker und 1 Päckchen Vanillezucker würzen. 100 g Zwieback oder Keksbrösel und 50 g gewaschene Rosinen dazugeben. Im BOSCH-Kühlschrank kalt stellen.– Kaltschale Westfalia: In 1 Liter kalte Milch 500 g würfelig geschnittenen Pumpernickel und je 300 g klein geschnittene Feigen geben. Nach Geschmack zuckern und mit je einer abgeriebenen Zitronen- oder Apfelsinenschale würzen. In den BOSCH-Kühlschrank stellen.Natürlich gibt es mehr Listen: meine größten Kater, meine absurdesten Arztbesuche. Dazu später einmal mehr, vielleicht…

Artikel teilen: