Die Unsichtbarkeit von Denkmälern

Dieser Tage werden Statuen und Standbilder umgerissen und beseitigt. Aber verschwinden sie nicht auch manchmal ganz von allein?

Illustration: Dirk Schmidt

Natürlich müssen Denkmäler gestürzt werden, zu jeder politischen Wende gehört der Denkmalsturz. Dass in den USA und Großbritannien Statuen von Sklavenhändlern verschwinden, war längst fällig. Die wichtige Frage ist: Warum standen sie da noch? Ich vermute, das lag nicht daran, dass besonders viele Leute sie oft besucht hätten. Eher hatte es damit zu tun, dass man sie vergessen hatte. Möglicherweise wird selbst Rassisten die Existenz eines solchen Denkmals erst durch dessen Sturz wieder erinnerlich.

Als Loriot im März 1989

Marx, Goethe, Engels, Schiller, egal, egal. Das Seltsame an Denkmälern ist, dass sie aufgestellt werden, um an etwas zu erinnern. Aber sobald sie stehen, vergisst man sie, so groß sie auch sein mögen. Denkmal ruft nicht, Denkmal bewegt sich nicht, Denkmal ist irgendwie immer bloß da. »Was in der Wahrnehmung der Lebenswelt als stabiles Inventar eingestuft wird«, schreibt die Kulturanthropologin Aleida Assmann in ihrem Buch Formen des Vergessens, »wird von Passanten, die möglichst direkt und schnell ihre Ziele erreichen und ihre Besorgungen erledigen wollen, automatisch dem ›Hintergrund‹ zugeordnet und damit ausgeblendet.«

Es geht dem Denkmal wie

Sehr schön wird das an einer in Deutschland außerordentlich häufigen Art des Denkmals sichtbar: dem Bismarckturm. Um 1900 herum errichtete man, oft privat finanziert, an prominenten Plätzen Türme, die an den Reichskanzler erinnern sollten. Aus Feuerschalen an den Spitzen würden landesweit Flammen lodern, stellte man sich vor, »deutschen Dank sollen sie künden, das Höchste, Reinste, Edelste, was in uns wohnt«, so schrieben die Bismarckbegeisterten, Studenten vor allem. 146 dieser bizarren Bauwerke stehen noch in Deutschland, von Heidelberg bis Bad Freienwalde, von Zehdenick bis Bad Pyrmont, manche vom Modell Götterdämmerung. (So hieß ein preisgekrönter Entwurf 1899, der dann in Serie ging.) Die Feuer brannten praktisch nie, irgendwie konnte man sich auf keinen Tag dafür einigen. »Infrage kam eigentlich nur der Geburtstag Bismarcks am 1. April«, schreibt der Historiker Wolfgang Wippermann in Denken statt Denkmalen. »Doch da hatten die Studenten wiederum keine Zeit, weil der 1. April in die Semesterferien fiel.«

Früher hatten unsere Schulwandertage bisweilen