Schreien, schleimen, schimpfen

Was würde geschehen, wenn wir alle so telefonierten wie Donald Trump?

Illustration: Dirk Schmidt

Manchmal denkt man, die ovale, nullige Form des Büros, in dem der amerikanische Präsident seine Geschäfte führt, passe gut zu Donald Trump, der im Oval Office …

Ja, was macht er, Donulld im Nullbüro, den ganzen Tag?

Ringt er seine kleinen Hände vor Angst, er könnte sein Amt verlieren? Spitzt er vorm Spiegel sein Mündchen zur gewohnten kleinen Nullform? Schluckt er seine Hydroxychloroquin-Tabletten? Spült er sein Inneres mit Desinfektionsmitteln? Versucht er, Licht zu schlucken? (Weil Licht, wie er einmal vor

Andere Menschen arbeiten im Büro. Doch Arbeit ist Donullds Sache nicht, das wissen wir schon lange.

Die Antwort ist: Er telefoniert.

Carl Bernstein, einer der beiden Journalisten, die den Watergate-Skandal enthüllten, hat kürzlich bei CNN umfangreich über jene unsäglichen Telefonate, die Trump mit

Die Lektüre seines Berichts ist erschütternd, weil sie erstens zeigt, woran wir uns gewöhnt haben, zweitens aber: weil sie noch einmal eindrücklich

Bernstein beschreibt, wie Trump anderen Staatschefs gegenüber seine Amtsvorgänger der »Idiotie« bezichtigt, wie kriecherisch er sich gegenüber Leuten wie Putin und Erdogan verhält, wie er Macron und Trudeau einzuschüchtern und herabzusetzen versucht, wie er andere – Frauen vor allem – persönlich beleidigt. Angela Merkel nennt er stupid. Theresa May beschimpft er als a fool und spineless, also »eine Idiotin« und »feige«. Er selbst sei stets komplett unvorbereitet sowie frei von Wissen und Geschichtsbewusstsein. Das mache es Gegnern leicht. Putin sei ihm überlegen (just outplays him), sagt ein Gesprächszeuge, Erdogan habe ihn rein­gelegt (took him to the cleaners), beschreibt es ein anderer. Ihrer Sachkenntnis habe Trump nichts als minutenlange Selbstfeiern und persönliche Schmeicheleien entgegenzu­setzen.

Man stelle sich kurz vor, wir alle würden so miteinander telefonieren. Jedes Gespräch mit längerem Eigenlob beginnen, nicht die geringste Ahnung vom

Ja, jeder kennt solche Leute, bedauerlicherweise. Aber meine Frage war: Wie wär’s, wenn wir uns alle so verhielten? Die Folgen: Kündigungen ohne Ende, Scheidungen am Fließband, Zerbrechen von Vereinen, nirgendwo Freundschaft. Einsamkeit. Das Ende der Gesellschaft.

»Es gab kein Gefühl von Team America in den Gesprächen«, sagte ein Zeuge – auch nicht von den USA als historischer Kraft mit ­demokratischen Prinzipien, als Führer der freien Welt. »Das Gegenteil. Es war, als wären die Vereinigten Staaten verschwunden. Es war immer: Nur ich.«

Just me.

Donullds Welt ist ein Oval. Mittendrin er, dem Irrtum erlegen, die Welt drehe sich um ihn. Einsam. Was für

Leider sitzt er eben in diesem Büro.