Hochpustertal

Nein, in den Alpen ist nicht jeder Zentimeter touristisch zugeballert. Doch, da sind noch stille Ecken zu entdecken. Zum Beispiel das Schneeloch Hochpustertal.

Osttirol ist der Ringo Starr unter den Alpenregionen: Die anderen Beatles (Tirol, Südtirol, Kärnten) sind viel bekannter, aber der leicht verschlafene Kerl/Landstrich ist sehr liebenswert, wenn man sich auf ihn einlässt. Im Hochpustertal zum Beispiel scheint der Ballermann-Irrsinn von Kitzbühel Jahrhunderte entfernt. Hier, zwischen Felbertauern und Italien, herrscht eine andere Zeit, der Fremdenverkehr ist spät losgegangen, und beim Blick aus dem Hotelfenster hat man das Gefühl, das Bild müsste eigentlich schwarz-weiß sein.

Die Einheimischen seufzen gut gelaunt, ihr Tal sei ein Schneeloch: alles weiß bis weit nach Ostern. Es gibt ein nettes kleines Skigebiet, für Langläufer ist das ganze Tal eine einzige Riesenloipe (400 km), absolut ideal ist die Gegend für Tourengeher – so viele unberührte Hänge wie hier gibt es selten in den Alpen. Übrigens: Dass Skilehrer bergeweise Geschichten auf Lager haben, ist ein alter Hut, hier aber gibt’s welche, die einem erzählen können, wie sie vom Pferdepflug auf den ersten Traktor umgestiegen sind – in den Siebzigerjahren, zeitgleich mit dem Bau der ersten Skilifte. Ach so, ja, und nicht wundern, wenn der Skilehrer Sepp heißt. Denn, wie einer von ihnen versichert: »Bei uns heißen alle Sepp. Bis auf’n Franz, der heißt Hans.«
ADRESSEN:
1) Innervillgraten

Märchenhaftes Dorf, Österreichs höchste bewirtschaftete Berghöfe.
2) Villgrater Natur

Firma, die für ihre Produkte aus Schafwolle gerühmt wird ­ Prince Charles hat hier gerade Dämmstoffe bestellt. Tel. 0043/4843/5520; www.villgraternatur.at.
3) Strasserwirt

Gemütliches Vier-Sterne-Hotel, sensationelle Küche, perfekt für stille Tage. DZ ab 114 Euro (Tipp: »Wohnstube« reservieren ­ Dachzimmer mit Hüttenflair) 9920 Strassen 6, Tel. 4846/6354;www.strasserwirt.com.
4) Biathlonzentrum Obertilliach
Hier können auch Laien ein paar Schüsse
probieren ­ nur nicht auf Bahn 1, die ist reserviert für den Norweger Ole
Einar Bjoerndalen, der extra wegen der Wetterbedingungen hierhergezogen ist. www.biathlon-obertilliach.com.
5) Skigebiet Golzentipp

Angenehm ruhig: nur ein paar Lifte, dafür eine 7 km lange Rodelbahn. www.obertilliacher-bergbahnen.com.
6) Aigner Bad
In Abfaltersbach steht das letzte echte Tiroler Bauernbad von 1772: Da kann
man sich nach größeren Skitouren in der Lärchenbadewanne entspannen – das Heilwasser ist gut gegen jeden Muskelkater (und gegen Gelenkschmerzen, Rheuma und Ischias). 9913 Abfaltersbach, Tel. 0043/699/11591377, Badezeiten: täglich von 10.00 bzw. 11.00 Uhr bis spätestens 20.00 Uhr, Preis je Bad: 13 Euro
7) Großglockner Resort Kals-Matrei
Eigentlich ist das Schöne an Osttirol ja die diskrete Verschlafenheit. Wer
es aber tageweise gern mal etwas lärmiger hat: Hier, nicht weit vom ruhigen
Hochpustertal, rasen 16 Gondelbahnen und Sessellifte durchs Bergmassiv, die
längste Talabfahrt ist 11 Kilometer lang, und auf den Hütten ist immer was los.
Informationen und Reservierung unter Tel. 0043/50/212 510, www.gg-resort.at
8) Dobbiaco / Toblach
Doch, ja, ein bisschen Kultur geht im Hochpustertal auch. Ein Ausflug über
die Grenze, in den italienischen Teil lohnt sich als Abwechslung nach fünf
Tagen Pistenrausch. Hier gibt’s barocke Pracht – vor allem aber auch das
winzige Komponierhäuschen, in dem Gustav Mahler während seiner Sommerurlaube "Das Lied von der Erde" komponierte.
Informationen: Haus der Gustav Mahler Stube Tel. 0039/0474/972347,
www.gustav-mahler.it
 

Illustration: Zsuzsanna Ilijin

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