»Auf den Herrjott hast du nie was kommen lassen«

Der Sänger Wolfgang Niedecken wurde von einem Pater sexuell missbraucht. Sein Vater, streng katholisch, ließ den Mann mit einer Versetzung davonkommen. Hat das Vater und Sohn entzweit? Ein Brief über das Unverständnis.

Der Sänger der Band BAP Wolfgang Niedecken.

Foto: dpa

Lieber Papa,

wir tun jetzt mal so, als würde dich dieser Brief tatsächlich irgendwo erreichen. Du warst jedenfalls immer fest davon überzeugt, dass es ein Leben nach dem Tod gibt. Dein Kinderglauben war unerschütterlich, meiner hat im katholischen Internat dermaßen gelitten, dass ich nach deinem Tod so ziemlich als Erstes aus der katholischen Kirche ausgetreten bin. Vorher hätte ich das nicht übers Herz gebracht. Ich wollte all den Enttäuschungen, die ich dir bereitet hatte, keine weitere hinzufügen.

Es muss für

Du hattest eine

Du warst fleißig,

Zweimal wurdet ihr

Aber auf den

Gepaart mit deiner

Geschichten wie diese

Zu dieser Zeit

Ab 1970 besuchte

Was ich dir

Die Kuba-Krise habe

Allerdings kann ich

Und da war

Am 18. September 1980 bist du gestorben, auf den Tag genau zehn Jahre nach Jimi Hendrix. Unser erstes Album hast du noch miterlebt und, was die Texte betraf, als »Unverschämtheit« bezeichnet. Außerdem meintest du, bei uns müsse »e’ Mädche singe, dat och jet darstellt«. Unser zweites Album hast du knapp verpasst, und auf dem dritten erschien dann das Lied, das ich ein halbes Jahr nach deinem Tod für dich geschrieben hatte. Es heißt Verdamp lang her und besteht aus lauter Gesprächsfetzen, die irgendwann mal zwischen uns beiden hin- und hergeflogen sind. Aus Lebensweisheiten, Erklärungsversuchen, Geständnissen, Ratschlägen, Wünschen und vor allem aus der traurigen Erkenntnis, dass es für ein klärendes Gespräch jetzt endgültig zu spät war.

Wann immer wir

Alles Liebe,

dein Wolfgang