»Du hast gewusst, dass wir ohne Dich aufgeschmissen waren. Und trotzdem bist Du gegangen«

Die Schriftstellerin Natascha Wodin schreibt im Brief an ihre Mutter über das Schauspiel des Lebens und wie sie einander gleichzeitig Mutter und Tochter wurden.

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… es fängt damit an, dass ich nicht weiß, wie ich Dich ansprechen soll. Als Kind nannte ich Dich »Mama«, manchmal wahrscheinlich auch »Mamotschka« oder »Mamulja«, aber da Du vor über sechzig Jahren gestorben bist und ich inzwischen eine alte Frau geworden bin, kommt mir das Wort »Mama« nicht mehr über die Lippen.

Das Wort ist in meiner Kindheit geblieben, ich kenne Dich nur mit meinen Kinderaugen und mache mir kaum Vorstellungen davon, wie unsere Beziehung sich im

In meiner Erinnerung bist Du für immer jung, eine schöne, romantisch verklärte Mater dolorosa, obwohl Du ja genau die nicht warst. Du warst nicht die

Manchmal spiele ich ein Spiel mit Dir. Ich stelle mir vor, dass Du mir, quasi vom Himmel aus, zusiehst, während ich Dir mein jetziges Leben

Ich kannte Dich nur in der

In meinem Spiel zeige ich Dir

Du schaust mir dabei zu, wie

Das Schreiben hat mich das Schweigen

Ich habe mein Leben mit Deiner

An einem schmutzgrauen Tag im März,

Ich weiß jetzt, wer Du warst,

Sicher, ich war ein Kind und

Der Computer erzählte mir das Märchen

In meinem Leben als Schriftstellerin war

Auf dem Weg durch die Menschenmasse,

Vor der Preisverleihung in der Messehalle

Das Buch wurde ein unerwarteter Erfolg.

Du, Mama, standst für die Millionen

Deine Natascha