»Von Frauen wird erwartet, enge Beziehungen zu pflegen«

Frauenfreundschaften können so eng sein, dass Männer sie bedrohlich finden. Die Historikerin Tiffany Watt Smith erklärt im Interview, warum weibliche Freundschaft und Solidarität bis heute politisch aufgeladen sind – und wie Frauen sich davon befreien und zu unkomplizierter Nähe finden können.

Foto: Evelyn Dragan / Connected Archives

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Was ist für Sie als Historikerin der wichtigste Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Freundschaften?
Tiffany Watt Smith:
Ich bin Historikerin für Emotionen und beschäftige mich damit, wie Kulturen unsere emotionalen Erfahrungen prägen. Aus dieser Perspektive kann ich sagen, dass weibliche Freundschaften stärker mit gesellschaftlichem Druck aufgeladen sind als männliche. Ich hatte in meinen Zwanzigern Schwierigkeiten mit Freundschaften. In meinen Dreißigern begann ich dann, mich zu fragen, warum das so ist und ob ich eigentlich von Natur aus eine gute Freundin bin. Diese Frage erschien mir dringlich, weil von Frauen kulturell erwartet wird, enge Beziehungen zu pflegen und idealerweise die eine beste Freundin zu haben.