Wie man lernt, klare Grenzen zu setzen

Wenn der Chef Druck macht oder die Nachbarin Probleme abwälzen will, lautet der Rat oft: Grenz dich ab! Aber wie geht das eigentlich? Psychotherapeut Klaus Blaser erklärt, warum manche Menschen anfälliger für Grenzverletzungen sind und wie man den eigenen psychischen Innenraum schützt. 

»Wir überschreiten die Grenzen des anderen aus Gewohnheit und denken: Na ja, so schlimm ist es ja nicht«, sagt Klaus Blaser.

Foto: Getty Images | Klaus Vedfelt

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SZ-Magazin: Herr Blaser, in den sozialen Medien raten derzeit allerlei Fachleute dazu, Grenzen zu setzen. Es heißt, dass man sich von besitzergreifenden Freundinnen oder toxischen Chefs abgrenzen soll oder dass Mütter auf ihre Grenze achten müssen, um nicht zwischen Haushalt und Job zerrieben zu werden. Aber was genau meinen wir, wenn wir von einer Grenze sprechen?Klaus Blaser: Eine gut funktionierende Ich-Grenze schützt unseren psychischen Innenraum. So nenne ich die Innenwelt eines Menschen. In diesem Innenraum bewahren wir unsere Lebenserfahrungen, Bilder und Gefühle auf, aber auch Aufgaben, Ansichten und Verantwortungen. Man kann sich diese psychische Innenwelt wie einen inneren Garten vorstellen. Die Ich-Grenze ist dann ein Gartenzaun mit einem Tor, das man öffnen und schließen kann. Dieser Zaun schützt nicht nur, er hat auch eine Filterfunktion. Die Grenze legt also fest, was draußen bleibt und was hereinkommen darf.