Mit diesen Argumenten überzeugen Sie Impfskeptiker

Rund 56 Prozent der Deutschen sind bereits zweimal geimpft – doch Millionen sträuben sich noch. Was tun, wenn man Impfskeptiker im Freundes- und Familienkreis hat? Der Psychologe Philipp Schmid gibt Tipps, wie man überzeugt – ohne zu bevormunden.

Eine Teilnehmerin einer Protestkundgebung der Stuttgarter Initiative »Querdenken« trägt auf dem Cannstatter Wasen ein Schild gegen Impfungen auf ihrem Rücken.

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SZ-Magazin: Eine Bekannte von mir ist 60 Jahre alt, raucht viel und hat dementsprechend Angst, sich mit Covid-19 zu infizieren. In der U-Bahn trägt sie zwei Masken übereinander und dazu ein Face-Shield. Impfen lassen will sie sich trotzdem nicht, weil die Impfstoffe noch gefährlicher als das Virus seien, sagt sie, das habe sie im Internet gelesen. Erfahrungen wie diese machen im Moment wohl viele Menschen und fragen sich: Wie kann man Personen, die einem nahestehen, überzeugen, sich doch impfen zu lassen?
Philipp Schmid: In solchen Situation reagieren viele Menschen ja impulsiv: Bist du wirklich so naiv, diese fake news zu glauben, die du irgendwo online gelesen hast? Und je mehr uns die Person am Herzen liegt, desto wütender werden wir, weil wir enge Freunde und Verwandte in das eigene Selbstbild inkludieren. Sie sind quasi eine Erweiterung unserer Persönlichkeit. Wenn der eigene Vater, dem wir vertrauen und den wir lieben, plötzlich Dinge sagt, die wir für Unsinn halten, halten wir das schwer aus. Aber diese Form der Konfrontation führt zu noch stärkerer Polarisierung. Das Problem wird verstärkt. Deshalb ist es besser, erstmal zuzuhören und Fragen zu stellen: Wo hast du diese Informationen her? Und was genau macht dir Angst? Nur so kann sich die Person entfalten.