Ein Getränk wie ein Handyspiel

Süß, knallfarbig und blubberig: Bubble Tea gilt als ungesunder Teenager-Drink. Dabei kann man ziemlich viel übers Leben und sogar über Politik lernen, wenn man sich mal genauer mit dieser merkwürdigen Flüssigkeit beschäftigt.

Foto: Maurizio Di Iorio

Kinder zu haben oder von Kindern umgeben zu sein bedeutet, ein Fenster zur Welt zu haben. Man bekommt Dinge mit, von denen man sonst nie erfahren würde, besonders Jugendliche sind wie ein permanenter Newsfeed. Ich war wahrscheinlich in meinem ganzen Leben noch nie so gut informiert wie jetzt, da ich mit einem Teen­ager im selben Haushalt lebe. Ich weiß, welche Musik und welche Turnschuhe angesagt sind, wie man die Wörter »cringe« und »lost« verwendet. Ich kenne sämtliche Sport-Ligen und relevanten

Daher weiß ich auch, was junge Menschen gerade trinken. Bubble Tea nämlich. Also grünen oder schwarzen Tee, der mit Milch oder Sirup zu einer Art Milkshake aufgepeppt und mit Kugeln aus Speisestärke oder Alginat versetzt wird. Letztere sind ihrerseits mit süßer Flüssigkeit gefüllt und platzen, sobald man darauf beißt. Die Drinks haben Namen wie »Sunny Mango Grüntee«, »Chocolate Milk Tea« oder »Tropischer Früchtetee mit Rainbow Jelly«, man bekommt sie in verschiedenen Größen und mit unterschiedlichen Sirups und Kugeln darin. Und

Bubble Tea ist ein typisches Ding von Jugendlichen. Ungesund, bunt, süß. Sobald man einen Schluck nimmt, gluckert und schäumt es, verändern sich die Farben. Man hat ständig etwas Neues auf der Zunge, Geleezeug, Eis-, Frucht- oder Schokoladestückchen, eine ploppende Kugel. Bubble Tea ist ein Getränk wie ein Handyspiel, man soll sich keine Sekunde langweilen. Als ich letztens mit meinem Sohn und seinem Kumpel Bubble Tea trinken war, begannen die beiden, mit dem Strohhalm die Flutschkugeln aufzusaugen und sich wie aus

Über all das kann man lästern oder in typischer Elternart die Sinnfrage stellen. So wie vor zehn Jahren, als die erste Bubble-Tea-Welle ins Land kam. Da war vom »Blasentee« die Rede und davon, das Getränk mache dick. Die Verbraucherschutzministerin von der CSU wollte den Tee wegen der angeblich gefährlichen Kugeln mit Warnhinweisen versehen lassen.

Man kann sich aber auch näher damit beschäftigen, was übrigens immer eine gute Herangehensweise an Dinge ist, die mit Jugendlichen zu tun haben. Dann findet man

Und so hat der Bubble Tea tatsächlich etwas mit vielen Dingen gemeinsam, die Jugendliche gerade machen, ob sie auf TikTok Coronafrust wegtanzen, schulstreiken oder Transparente für