Selbstbetrug mach ich schon noch selber

Unsere Autorin hat nichts gegen vorgefertigte Lebensmittel. Doch beim Ingwer-Shot, dessen unterschiedliche Phasen noch gemischt werden müssen, hört ihre Liebe für industrielle Haushaltshilfe auf. 

Foto: Maurizio Di Iorio

Man muss den Alltag nicht übertheoretisieren, aber das Kühlregal, an dem ich mit Unterbrechungen seit zwölf Jahren vorbeigehe, ist wirklich interessant. Am Anfang lagen da zerzupfte Salate drin. Diese praktischen Tüten, in denen die Salatblätter schon auf Happengröße zerkleinert waren.

Dann lagen dort Pilze, in Scheiben geschnitten für eine Pilzpfanne mit Spätzle. Ich entdeckte gehäckselte Möhren für einen überbackenen Gemüseauflauf mit Kartoffeln. ­Irgendwann gab es vorgepulte Erbsen für eine Reisbowl mit Sojasauce. Dieses Kühlregal regt mich an. Oft waren

Hier wurde mir, das allerdings nur nebenbei, ein echter Generationenunterschied deutlich. Denn während manches, was als große Kluft zwischen den Altersgruppen bezeichnet wird, ja bloß individuelle Verschiedenheiten sind, glaube ich, hier wirklich etwas ausgemacht zu haben. Ich begrüße jede

Aktuell fand ich im Kühlregal kleine Ingwer-Shots vor. Die habe ich mir dann natürlich auch genauer angesehen. Auch für solch ein Produkt bin ich generell offen. Ich mache mir oft Ingwertee mit Zitrone, trinke das abends, wenn ich Wasser

Die Shots aus dem Supermarkt sind aber eher das Gegenteil: Sie sind kalt, und man soll sie wohl engagiert trinken, nicht als Einluller, sondern als Daystarter. So wie kalt duschen oder joggen vor dem Frühstück. Reinkippen statt Runterschlürfen. Sie

Aber gut. Frage mich, ob die zwei Konsistenzen und der Hinweis aufs Schütteln den Eindruck erwecken sollen, ­irgendwas würde sich unter der eigenen Hand – wo man es schon nicht frisch zubereitet hat – zumindest molekular frisch verbinden. Das