Die Taille einer Wespe und der Hintern einer Prinzessin

Beim Versuch, dem Geheimnis der Orangina auf die Spur zu kommen, merkt unser Kolumnist schnell, dass der Zauber dieser Limonade wenig mit ihrem Geschmack zu tun hat.

Schon im hohen Rentenalter: die Orangina ist Jahrgang 1935.

Foto: Maurizio Di Iorio

Ich weiß nicht mehr, wann ich meine erste Orangina getrunken habe, wahrscheinlich als Jugendlicher in Paris oder Avignon, aber ich kann sagen, dass diese Orangenlimonade – denn um nichts anderes handelt es sich – bis heute eine mysteriöse Anziehungskraft auf mich ausübt. Entdecke ich eine der kleinen, bauchigen Flaschen in einem Bistro oder Café, bestelle ich eine. Orangina schmeckt anders als Fanta, komplexer, widersprüchlicher, schon süß, aber auch säuerlich und ganz leicht bitter. Trinkt man sie mit viel Eis an

Ich habe über die Faszination von Orangina nachgedacht. Es ist nicht nur der Geschmack, auch nicht das Fruchtfleisch und das kaum wahrnehmbare Mandarinenaroma, es ist vor allem die ungewöhnliche Form der Flaschen, die mich reizt, ja herausfordert: Fläschchen, in die nicht viel reinpasst, was ihnen eine unaufdringliche Eleganz verleiht und fast immer dazu führt, dass man noch eine zweite bestellt. Man kennt das Phänomen von den 0,2-Liter-Döschen aus der Minibar – man lechzt nach mehr. Von Orangina hat man nie zu

Dass Orangina aussieht wie ein Szenedrink, liegt vor ­allem daran, dass die Hersteller von Zeitgeistgetränken sich in Ermangelung eigener Ideen an traditionellen Designs orientieren, die oft weit ins 20. Jahrhundert zurückreichen. Tatsächlich wurde Orangina im selben Jahr geboren wie ­Elvis Presley, Udo Lattek und Vader Abraham. 1935 wurde sie von einem spanischen Pharmazeutiker unter dem Namen Naranjina auf einer Messe in Marseille vorgestellt. Zur Weltmarke aufgebaut wurde Orangina durch den französischen Geschäftsmann Jean-Claude Beton (1925–2013), der den Fläschchen ihre poetische,

Als Orangina 1951 in Frankreich eingeführt wurde, beschwerten sich Gastronomen, weil die Flaschen nicht in die Fächer ihrer Kühlschränke passten. Auch die trübe Farbe der Limo, ein verwaschenes Gelb (wegen des Fruchtfleisches), machte viele Wirte skeptisch: Eine Schwäche, ganz klar, meinte ein Werbefachmann damals zu Beton, »aber lassen Sie uns eine Stärke daraus machen, indem wir immer wieder betonen: Diese Flasche muss geschüttelt werden.« Beton ließ Werbespots produzieren, in denen Orangina-Flaschen übertrieben und komisch geschüttelt wurden. Irgendwann hatten die Wirte