Auf Tuchfühlung

An nichts entzünden sich Integrationsdebatten so zuverlässig wie am Kopftuch: Warum tragen Frauen so was? Und: Sollen sie auch an Schulen und Gerichten mit Kopftuch arbeiten dürfen? Die Gesellschaft ist gespalten, die Politik legt sich nicht fest, und die Justiz widerspricht sich. Eine Deutschlandreise

Das Genovevabad in Köln-Mülheim liegt in warmem Nachmittagslicht. Es ist fünf Uhr, die Sonne strahlt auf die Schwimmhalle. Die Vorhänge sind zugezogen. Für die einen beginnt hinter diesem grellgelben Vorhang die Parallelgesellschaft. Freitags zwischen 15 und 18 Uhr ist hier muslimisches Frauenschwimmen. Männer dürfen nicht rein, es gibt nur Bademeisterinnen, aus anderen Bädern zusammengerufen. Die Stadt Köln, die dieses Bad betreibt, wird nicht müde zu betonen, sie handle hier rein aus wirtschaftlichem Interesse. Freitags um diese Zeit seien andere Bäder nicht gut besucht, mit diesem Angebot aber mache man guten Umsatz. An diesem Tag im April standen Frauen und Mädchen schon um kurz vor drei vor der Tür. Die meisten mit Kopftuch. Lediglich an der Kasse sitzt ein Mann. Wenn er um Viertel vor sechs noch mal den Fön angehen höre, rufe er: »Jetzt ma langsam fertig werden, die Damen, gleich kommen die Männer!« Das wirke meistens.

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