»Ich war eine Mischung aus Wegelagerer und Mönch«

Der Schauspieler Matthew McConaughey im Interview übers Nacktbongospielen, seinen Weg vom Highschool-Schönling zum Oscar-Preisträger, eine zeitgemäße Männlichkeit und den tief sitzenden Wunsch, alles hinter sich zu lassen und einfach durchzubrennen.

Foto: Benedict Evans/AUGUST

Es ist schon warm wie im Sommer in Austin, Texas. Im weißen T-Shirt mit hochgerollten ­Ärmeln sitzt Matthew McConaughey auf der ­Veranda seiner Ranch, wo er sich fürs Video-Interview postiert hat. An den Handgelenken jede Menge Leder- und andere Armbänder. Er sieht natürlich umwerfend aus, auch mit Quarantäne-Mähne und Brille. Er spricht mit ausladenden Gesten und knödelndem Südstaaten-Akzent. Im letzten Jahr kam Greenlights auf den Markt, eine Art Autobiografie und Lebensratgeber, der jetzt unter dem gleichen Titel auf Deutsch erscheint. Das Buch erzählt von der Entwicklung des Highschool-Beaus zum Oscar-Preisträger, von der »Kunst, bergab zu rennen«, aber auch von der Demut, die sich einstellt, wenn man bekifft beim Nacktbongotrommeln verhaftet wird.

SZ-Magazin: Mr. McConaughey, wie kommen Sie durch die Pandemie?
Matthew McConaughey:
Mir geht’s okay. Ich versuche mit demselben Problem zurechtzukommen wie der Rest der Welt. Ich will mir Covid nicht einfangen. Unser Gouverneur hat gerade die Maskenpflicht aufgehoben.

Und den Lockdown beendet.
Nun, ich beende ihn nicht. Er sagte, alle können wieder zur Arbeit gehen, niemand muss mehr Masken tragen. Das erste verstehe ich, das zweite nicht. Niemand regt sich über die Masken auf. Keiner wird von ihnen entmannt. Was ist also das Problem? Lasst sie uns doch einfach anbehalten. Wir leben seit einem Jahr in strikter Quarantäne hier auf meiner Ranch. Wir haben meine Mutter, die 89 Jahre alt ist, zu uns genommen. Unsere Kinder gehen nicht zur Schule. Wir sind ziemlich autark. Es sind zwar erst sechs Prozent der Bevölkerung in Texas geimpft, aber ich sehe so etwas wie Licht am Ende des Tunnels.

Haben Sie Filmprojekte, die gerade darniederliegen?
Nein. Ich habe einen Werbespot gedreht, den wir zum Superbowl sendeten. Derzeit mache ich immer noch PR für mein Buch.

Ihre Memoiren sind soeben auf Deutsch erschienen. Ist es nicht ein wenig früh für so ein Buch? Sie sind 51.
Da haben Sie recht. Ich hoffe, es liest sich nicht wie Memoiren. Zumindest war das nicht meine Absicht. Ich reite noch nicht in den Sonnenuntergang, um mich zu verabschieden.

Wollten Sie Halbzeitbilanz ziehen?
Das mag unterbewusst eine Rolle gespielt haben: mit fünfzig ein wenig zurückzublicken. Wo bin ich, wie bin ich hierhergekommen? Aber eigentlich bedeuten mir Zahlen, Jubiläen nicht viel. Ich wollte seit 15 Jahren so ein Buch schreiben. Ich habe mich nur nicht getraut, in meine Tagebücher zu schauen.

Was machte Ihnen Angst?
Ich fürchtete, peinlich berührt zu sein. Ich fürchtete Scham, Schuld. Ich hatte Angst, diesen arroganten, kleinen Arsch wiederzusehen, der ich gelegentlich gewesen war. Mister Besserwisser. Aber ich habe auch viel gelacht. Ich habe mir vergeben. Immer wenn ich ein Besserwisser war, geschah etwas in meinem Leben, das mich gedemütigt hat.

Ihre Eltern ließen sich zweimal von­einander scheiden und haben einander jedes Mal doch wieder geheiratet. Was haben Sie von Ihren Eltern über die Liebe gelernt?
Dass Liebe harte Arbeit ist. Meine Eltern wollten diese großen Ausschläge, die krachenden Wellenbrecher. Dieses Auf und Ab aus Liebe und Hass. Sie konnten nicht ohne den anderen sein. Ich wollte für mich nie diese Art von schwieriger Beziehung, die sie hatten, wahrscheinlich, weil ich es miterlebt habe. Ich brauche eher einen ruhigen Fluss mit ein paar Stromschnellen darin. Meine Eltern durchliefen große Phasen der Abneigung, aber sie haben einander immer geliebt. Bei uns im Haus gab es diesen Spruch: Ich liebe dich, aber ich mag dich gerade nicht. Es gab Verletzte, es floss sogar Blut. Meine Eltern haben es ins Extrem getrieben, es war ihre Art, miteinander zu kommunizieren. Meine Mutter ist bis heute so: messerscharf. Sie geht immer den Weg des größten Widerstands.

Sie schreiben sehr liebevoll über Ihren Vater, den Sie aber auch als »Zuchtmeister« charakterisieren.
Bei uns zu Hause gingen Schönheit und Brutalität Hand in Hand. Einmal stritten sich meine Eltern, er bespritzte sie mit Ketchup, sie fuchtelte mit dem Messer vor ihm herum. Danach liebten sie sich auf dem Boden. Alles innerhalb weniger Minuten. Ich würde nicht sagen, dass mich mein Vater schlug. Er gab mir gelegentlich eine Ohrfeige, zum Beispiel wenn ich ihn angelogen hatte. Meine Mutter war die mit dem Gürtel, aber sie zielte sehr schlecht. Keiner von uns drei Brüdern wurde je verletzt.

Sie geben sich in den beschriebenen Szenen, in denen Sie mit Ihrem Vater aneinandergeraten, immer selbst die Schuld. Warum?
Weil es so war. Ich wusste immer, warum ich in Schwierigkeiten war. Und konnte deshalb gut damit umgehen.

Was ist Ihre schönste Erinnerung an Ihren Vater?
Wie er zum Superbowl Gumbo (typisches Eintopfgericht aus den Südstaaten, Anm. der Red.) für die ganze Familie zubereitet. Er fing immer vier Tage vorher an. Das war ihm das Liebste, dann war er Captain Fun.

Als Jugendlicher spielten Sie Golf, wurden in der Schule zum Bestaussehenden gewählt und hatten nur Bestnoten im Zeugnis. Was war das Rebellischste an Ihnen?
In der Schule war ich in der Gruppe der Beliebten, das stimmt. Und diese Gruppe machte gerne andere herunter. Aber ich habe mich für das einzige Mädchen an der Schule geschlagen, das eine Gothic war und lesbisch. Ich habe mich für den Nerd geprügelt, der immer vorne saß. Das gefiel der Gruppe der Beliebten nicht immer. Das habe ich von meinem Vater und meinen Brüdern: Steh immer auf der Seite des Underdogs.

Sie waren auch der Typ mit dem Geländewagen vor der Schule, der die Mädchen herumgefahren hat.
Das war ein großer, unschuldiger Highschool-Spaß. Sie mochten mich. Mit den meisten war ich nur befreundet. Ich war der Typ auf der Party, der tanzte.

Sie haben Jura studiert. Wie wurde aus dem angehenden Anwalt ein Schauspieler?
Ich hätte noch drei Jahre lang studieren müssen, um meinen Jura-Abschluss zu machen. Diese Aussicht ließ mich schlecht schlafen. Ich wollte meine Zwanziger nicht nur mit Bildung verbringen. Ich wollte nicht erst mit dreißig anfangen, eine Spur zu hinterlassen. Ich schrieb damals schon Geschichten und freundete mich mit Leuten an, die auf die Filmschule gingen. Also schrieb ich mich dort ein – nicht in der Schauspielklasse, ich wollte zunächst hinter die Kamera.

In der Filmhochschule trafen Sie, der Sonnyboy, auf eine verschworene Gemeinschaft aus Arthouse-Idealisten. Wie haben Sie sich durchgesetzt?
Noch dazu war ich der einzige Typ einer Fraternity, eines Studentenverbandes. Ich hatte mein Hemd zugeknöpft, trug Bügelfaltenjeans, Cowboystiefel und Texasgürtel. Die Arthouse-Typen hingegen waren bleich, immer schwarz gekleidet und mieden das Sonnenlicht. Sie sahen auf die Blockbuster herab, die ich vor der Klasse besprach. Ich war der Underdog. Im ersten Semester war ich sehr allein und grübelte, ob ich mich ändern muss. Mein Selbstbewusstsein kam erst zurück, als ich 1993 eine kleine Rolle in Richard Linklaters Dazed and Confused bekam.

Danach ging es in Ihrer Karriere Schlag auf Schlag. Schon drei Jahre später landeten Sie auf der A-Liste der Studiobosse und konnten sich Ihre Rollen aussuchen.
Es geschah wirklich sehr abrupt. Nach dem Erfolg von A Time To Kill öffneten sich 1996 die Türen Hollywoods. Innerhalb eines Wochenendes war ich auf dem Titelbild mehrerer Magazine. Mir flog das Dach weg. Die Agenten meinten, von nun an könne ich machen, was ich wolle. Aber ich wollte erst mal eine Auszeit. Hätte ich damals nicht meinen Trip gemacht, wäre ich vielleicht von den Ereignissen überrollt worden.

Sie schreiben, Sie hätten damals einen aufregenden Traum gehabt, in dem Sie im Amazonas trieben. Danach brachen Sie allein in den Dschungel von Peru auf. Was, glauben Sie, wollte Ihnen Ihr Unterbewusstsein sagen?
Ich hatte exakt diesen Traum zweimal, und das sagte mir: Verfolge diesen Traum. Der Traum hatte keine Antwort, nur einen Ort. Nach der Reise blickte ich anders auf die Welt. Das brachte mich dazu, andere Rollen anzunehmen. Ich wählte anspruchsvolle Geschichten wie in Robert Zemeckis’ Contact und Steven Spielbergs Amistad, von denen ich dachte, sie sollten erzählt werden. Ich wählte anerkannte Filmemacher. Und ich begnügte mich mit der Nebenrolle, obwohl ich viele Angebote für Hauptrollen hatte.

Was haben Sie allein am Amazonas gesucht? Und später in der Wüste Afrikas? Wahrhaftigkeit?
Das wusste ich nicht. Aber ich wollte es herausfinden. Die Schönheit dieser Reisen offenbarte sich erst, als ich aufhörte, nach Antworten zu suchen.

Wie lange könnten Sie allein in der Wildnis überleben?
Bei welchem Wetter? Was darf ich dabeihaben? Eine Flinte? Ich bin kein Survival-Typ, wenn Sie das meinen, aber ich würde Essen auftreiben, ich würde Wasser finden. Ich glaube, ich könnte länger aushalten, als ich denke.

Nachdem Sie 1997 Contact abgedreht hatten, fuhren Sie drei Jahre lang in einem Wohnwagen kreuz und quer durch die USA. Waren Sie auf der Flucht oder auf der Reise?
Beides. Ich brauchte Abstand, echte Leute. Ich brauchte Privatsphäre. Ich genoss es, keinen festen Wohnsitz zu haben, wieder regelmäßig Fremden zu begegnen, mit ihnen eine Woche lang auf einem Campingplatz abzuhängen und dann allein weiterzuziehen. Ich wollte Zeit mit mir verbringen, ich schrieb viel. Als ich später durch Australien reiste, lebte ich sogar zölibatär. Ich hatte keine Freundin, auch unterwegs keine Affären. Ich war eine Mischung aus Wegelagerer und Mönch.

In den Nullerjahren haben Sie viel Geld mit romantischen Komödien wie Der Womanizer verdient. Wann haben Sie gemerkt, dass sie nicht ewig den Prinzen spielen wollen, der am Ende die Frau herumkriegt?
Ich habe das schon ein paar Jahre vorher gespürt. Ich merkte, dass mir die Rollen zu leicht fielen. Nun wollte ich wieder Widerstände spüren, Herausforderungen. Ich war ein erfolgreicher Entertainer, aber war ich wirklich ein erfolgreicher Schauspieler? Hollywood signalisierte mir: Romantische Komödie, das ist dein Gebiet, bleib da. Also hörte ich damit auf und legte ein Sabbatical ein. Die Studiobosse in Hollywood hatten keinen Bedarf an dem, was ich anbieten wollte. Als die Dramarollen kamen, meis­tens waren es Independent-Filme, sprang ich auf den Zug auf. Ich wusste, dass es kein Zurück gab.

Für die Hauptrolle in Dallas Buyers Club gewannen Sie 2014 den Oscar. Sie hatten sich dafür von 80 auf 61 Kilo heruntergehungert. War das auch ein symbolischer Abschied von der Sonnyboy-Figur Ihrer Komödienzeit?
Für Außenstehende mag das so gewirkt haben. Zu jener Zeit rannte ich aber schon nicht mehr weg. Ich war längst auf meinem Weg vorwärts. Es steckte keinerlei Rachemotiv dahinter. Es war einfach mein Job, für diese Rolle so auszusehen. Wie hätte ich mit meinem Romantische-Komödien-Körper einen Aidskranken spielen sollen? Das hätte mir niemand abgenommen.

Sie reihten sich damit ein in die Riege von Marlon Brando, Robert De Niro, Christian Bale – sie alle schindeten ihre Körper für ihre Rollen. Woher kommt diese Obsession des Publikums, Schauspielern bei ihrer Metamorphose zuzusehen?
Oh, das Schinden allein reicht nicht. Sie müssen als Schauspieler schon eine Performance hinlegen, um einen Oscar zu bekommen. Und Sie können noch so gut spielen, wenn der Film schlecht ist. Der Film muss glaubhaft sein. Und soll ich Ihnen was ­sagen: Es ist gar nicht so schwer, so viel Gewicht zu verlieren. Es sieht nur so aus, als wäre es eine Qual. Man braucht bloß die passende Diät. Manchmal vermisse ich diese Zeit des Hungerns sogar. Ich war so fokussiert!

Ihr Buch enthält viele Lebensweisheiten und Sinnsprüche. Es geht darin immer wieder um Männlichkeit. Ein Attribut, das gerade neu verhandelt wird.
So ist es. Lange Zeit dachten Männer, es sei maskulin, wie ein Macho aufzutreten. Viel zu lange wurde Männlichkeit mit rein körperlichen Attributen verknüpft statt auch mit mentalen oder spirituellen. Verletzlichkeit galt als Widerspruch. Das muss in ein neues Gleichgewicht. Daher finde ich so spannend, wie Männlichkeit gerade umgedeutet wird, nämlich dergestalt, dass sie Männern und Frauen dienen sollte. Für mich gehören dazu Verantwortungsgefühl, Bereitschaft zur Vergebung und Mut. Auch ich musste lernen, dass es Mut erfordert, sich seinen Ängsten zu stellen. Keine Angst haben zu dürfen, das ist vorbei.

Wie feministisch ist der Frauenheld Matthew McConaughey?
Was feministisch ist, ändert sich ständig. Für mich ist Feminismus die legitime Ermächtigung der Frauenwelt, aber eben nicht auf Kosten der Männerwelt. Ich verstehe die Beweggründe dahinter und dass es für eine gewisse Zeit Werkzeuge wie Quoten geben muss. Aber ich bin raus, wenn das Gegenüber ausgeschlossen wird. Dann geht es in die falsche Richtung.

In Ihrem Berufsfeld wird derzeit viel über Identität und Inklusion gestritten. Eine Forderung: Schwule sollten ausschließlich von Schwulen, Behinderte von Behinderten gespielt werden. Wo stehen Sie in dieser Debatte?
Vieles davon unterschreibe ich, anderes nicht. MeToo als Teil der Frauenbewegung und Black Lives Matter als Teil jener Kulturrevolution, um den Rassismus zu überwinden, haben meine Unterstützung. Wir haben leider immer noch keine Chancengleichheit. Aber wir brauchen beide Seiten: Frauen und Männer, Minderheiten und weiße Mehrheit. Diese Bewegungen sind für mich nur Brücken in eine Zukunft, in der Geschlecht und Hautfarbe keine Rolle mehr spielen. Das sollte unser Leitstern sein.

Das sagt sich leicht aus der Perspektive der Privilegierten. Sind die einzelnen gesellschaftlichen Gruppen zu empfindlich geworden, oder sind wir, die weiße Mehrheitskultur, immer noch zu rücksichtslos?
Ich denke, es ist eine Mischung aus beidem. Wenn Wahrheit, Gerechtigkeit und Gleichheit auf sechs Uhr liegen, dann drücken weiße Männer diesen Zeiger seit Langem bis auf vier Uhr. Daher braucht es jetzt etwas Druck hin zur anderen Seite, sodass sich ­alles auf sechs Uhr einpendelt. Das passiert gerade. Ich hoffe, wir kommen danach auf einer neuen Evolutionsstufe heraus. Woran ich nicht glaube, ist ein Utopia gleich welcher Art. Wir sind ziemlich doofe Säugetiere, aber wir sind auf einem guten Weg.

Würden Sie weiter gerne einen schwulen Mann spielen können?
Ich denke, ja. Wir Schauspieler sind Repräsentanten der Menschheit. Was wir indirekt sagen wollen, ist: Hey, ich kann mich in dich schwulen Mann einfühlen, oder ich habe Empathie für Minderheiten, auch wenn ich keiner angehöre. Das macht einen Schauspieler aus! Das anzubieten, ist doch ein Schritt auf die andere Seite zu. Und wo bleibt die Kunst in dieser Debatte? Solche Grenzziehungen beschränken die Möglichkeiten unserer Kunst.

Sie haben mit Linklater, Spielberg, Schumacher, Soderbergh, Scorsese und Nolan gedreht. Von wem haben Sie am meisten gelernt?
Als ich Filmstudent war, dachte ich immer, ein Regisseur muss wie ein Diktator agieren. Er müsse die Antwort auf jede Frage am Set haben. Richard Linklater belehrte mich eines Besseren. In all meiner Zeit mit ihm habe ich ihn nie das Wort »Nein« sagen hören. Ein Nein stoppt dich, würgt dich ab. Man zieht sich zurück. Linklater schaffte es auch ohne Nein, dich dorthin zu bekommen, wo er dich in einer Szene haben wollte. Ein guter Regisseur will nicht das haben, was er denkt, sondern dich dazu bringen, dass du durch die Rolle sprichst.

Wird das Kino, wird die Filmindustrie nach der Pandemie jemals wieder so sein wie zuvor?
Keine Ahnung. Die Menschen werden sich immer für Stoffe und Geschichten interessieren. Die Frage ist, wo wir diese genießen werden. Wird der Kinosaal je wieder die Anziehungskraft haben wie einst? Wird man sich Filme weiter gemeinschaftlich ansehen wollen? Zu einem gewissen Grad ja, aber nicht mehr wie früher. Vor Corona ging es sowohl den Kinos gut als auch den Streaminganbietern. Beide stützten sich ­gegenseitig. Nach Corona werden Streaminganbieter erst mal die Nase vorn haben. Noch weiß niemand, ob wirklich alles bald vorbei ist oder ob wir eine pandemische Zukunft vor uns haben.

Wann haben Sie zuletzt Lust verspürt, einfach durchzubrennen?
Erst gestern dachte ich, wie schön es wäre, einfach alles einzupacken und loszufahren. Hier, das sind meine Babys. (Er schwenkt den Bildschirm auf seine drei chromblitzenden Trailer im Garten.) Seit ich drei Kinder habe, komme ich nicht mehr viel zum Reisen. Ich dachte darüber nach, einen Trip nach North Dakota zu unternehmen, aber momentan ist das keine gute Idee, zumal ja meine Mutter bei uns wohnt.

Sie schreiben, dass Sie viel Glück ge­habt haben im Leben. Welche Lektion­ wollen Sie den Schülern, die Sie mit Ihrer 2008 gegründeten »just keep livin foundation« unterstützen, auf den Weg geben?
Die erste Lektion: Das Leben ist nicht einfach. Viele dieser Studenten, die wir unterstützen, wissen das schon. Sie kommen aus Schulen mit hoher Abbruchquote, sie sind nicht gesund, sie sind nicht glücklich, sie haben Brüder in Gangs. Wir wollen ihnen zeigen, dass es andere Optionen gibt. Wir wollen ihnen ein Gefühl dafür geben, dass Entscheidungen Konsequenzen haben. Bedenkt, dass alles, was ihr im Internet postet, euch einholen kann! Wir unterstützen sie finanziell und mental. Können wir ihnen ein Praktikum vermitteln? Können wir sie fit machen für ihr Footballteam? Wir lehren sie Dankbarkeit und Demut.

Wann haben Sie zuletzt nackt Bongo gespielt?
Vor drei Wochen. Zusammen mit meiner Frau.

Ihre Frau spielt auch Bongo?
Das haben Sie gesagt.