»Ein Gruppen-Outing gibt Kraft, nicht allein zu sein«

Wie fühlt es sich an, wenn man sich auf dem roten Teppich nicht mit der Frau zeigen kann, die man liebt? Von welchen Rollen träumt ein nicht-binärer Mensch? Und wie muss sich die Fernseh-, Film- und Theaterbranche verändern? Ulrike Folkerts und vier weitere Schauspieler*innen aus der #actout-Gruppe erzählen.

Ulrike Folkerts, Lamin Leroy Gibba und Emma Bading

Fotos: Edith Held/Elena Zaucke/Jeanne Degraa

»Deshalb habe ich mit Frauenrollen manchmal ein Problem«

»Ich werde meistens als Frau gelesen und wurde auch so erzogen, aber ich wusste immer, dass ich das nicht bin, und habe auch als Kind gesagt: Ich bin kein Mädchen. Ich fühle mich heute als androgyner, nicht-binärer Mensch, der mehr Mann als Frau ist – aber beides. Als ich mich an der Schauspielschule bewarb, war ich noch nicht als nicht-binär geoutet, wurde dort als Frau wahrgenommen und hörte ständig: Such deine weibliche

»Ein Gruppen-Outing ist gut, es gibt Kraft, nicht allein zu sein. Und wenn mehr als 180 Menschen das Wort ergreifen, zwingt das, sich mit den Forderungen zu befassen und nicht das persönliche Coming-out zu boulevardisieren. Ich hatte 1999 mein Coming-out, ich wurde zur Exotin und stigmatisiert. Die Boulevardpresse machte daraus eine Sensation, die es für mich persönlich gar nicht war. Ich war längst Schauspielerin, Tatort-Kommissarin beim SWR, ich hatte ein Standbein in der Branche. Trotzdem hatte ich Angst vor den Konsequenzen. Der SWR stand gleich hinter mir, das tat gut. Ob es mir an anderer Stelle geschadet hat? Ich weiß es nicht. Es gab einen Regisseur, der Andeutungen machte: ›Ich kriege dich nicht durch, weil du lesbisch bist.‹ Oder eine Regisseurin, die nach Probeaufnahmen meinte: ›Ach, Sie lieben Frauen? Dann können Sie die Mutter nicht spielen, sie sind ja keine.‹ Es ist mein Beruf, alles zu spielen, alles! Ohne es zu sein! Ich liebe den Film Three Billboards Outside Ebbing, Missouri. Die Figur von Frances McDormand, eine verbitterte Frau, die nach dem Mord an ihrer Tochter auf drei Werbetafeln den örtlichen Polizeichef der Untätigkeit anklagt. Großartige Rolle für eine Frau über fünfzig. Von solch einer Rolle träume ich.«

»Natürlich will ich auch Figuren spielen, die als weiß oder hetero geschrieben wurden. Gleichzeitig frag ich mich aber: Wo sind die Schwarzen und queeren Figuren, die im Zentrum ihrer eigenen Geschichte stehen, die widersprüchlich sind und mit denen man als Schauspieler*in richtig zu tun hat, weil sie komplex sind? Die wenigen Schwarzen

»Menschen denken in Schubladen. Das gibt die Illusion, die unerklärbare Welt zu verstehen. Als meine Beziehung zu einer Frau beendet war und ich mich in einen Mann verliebt habe, haben sich erst mal viele

»Meine Situation ist eine besondere, das macht es schwer für mich, Vergleiche mit anderen ›Betroffenen‹ anzustellen und die gleichen Bedürfnisse zu artikulieren;