So tuten als ob

Früher ärgerte man sich beim Telefonieren oft über das Besetztzeichen. Heute signalisiert das Telefon fast immer, die Leitung sei frei. Aber das, findet unser Autor, macht den Menschen erst recht unfrei.

Besonders frustrierend war es früher, wenn man in einer Telefonzelle telefonieren wollte, vielleicht noch lange davor gewartet hatte, bevor jemand anders mit seinem Gespräch fertig war – und dann war besetzt. Telefonzellen, liebe Kinder, waren kleine Häuschen, die früher am Straßenrand standen, mit einem Telefon darin, das mittels Münzeinwurf in Betrieb genommen werden konnte.

Foto: Danny Lyon/Magnum Photos, Agentur Focus

Tut. Tut. Tut. 480 Millisekunden Ton, 480 Millisekunden Pause. Einmal pro Sekunde, das ist der Besetztton – nicht zweimal pro Sekunde, das wäre der »Gassenbesetztton« bei Überlastung der gesamten Leitung.

Das Besetztzeichen habe ich lange nicht mehr gehört. Ob beim Handy oder Festnetz, es läutet überall durch. Dabei täte es so gut zu wissen, dass der, den man erreichen möchte, grundsätzlich da, dass er nur gerade verhindert ist. Und dass man ihn vielleicht in ein paar Minuten erreichen wird.

Doch dieses Freizeichen ist inzwischen das, was wir sowieso immer zu hören bekommen. Und wir können uns ausmalen, ob die Chefin gerade nicht hingehen möchte, weil sie einfach keine Lust hat, schon wieder eine blöde Frage zu beantworten. Ob sie vielleicht das Telefon nicht hört, weil sie es liegen

Die digitale Telefonie hat es möglich gemacht. Wer beim eigenen Telefon ein Besetztzeichen will, muss die Standardeinstellung im Handy oder im Router beim Festnetzanschluss ändern. Machen interessanterweise immer weniger Menschen. Auch in anderen Ländern. Der Standard ist das Freizeichen. Seit einigen Jahren schon.

Ist lästig, nicht zu wissen,

Das Verschwinden des Besetztzeichens ist

Das Verschwinden des Besetztzeichens ist

Es ist gerade einige Monate